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DER MOND GLÄNZTE hell am Himmel und ließ sein Licht auslaufend über eine Lichtung scheinen. Er erhellte eine Schlucht, in der mehrere Katzen versammelt waren, doch zwei kleinere standen, nein, sie wurden ganz oben auf einem Felsen von vier großen, kräftigen Katzen festgehalten, die mit den Schwänzen peitschend hinter den beiden saßen. Die rechte hatte eine ziemlich helle Fellfarbe, wahrscheinlich weiß, die linke sah bräunlich bis sandfarben aus. Am Fuße des Steines hockte eine weitere Katze und sah flehend zu den vier Katzen auf, eine weitere stämmige Katze an ihrer Seite. Diese versuchte, beruhigend auf die Kleinere einzureden und zog sie immer wieder hoffnungslos weg. Eine Kätzin sah zu Vanillejunges auf und ihre tiefgrünen Augen blitzten, als hätte sie das Junge gesehen. Aber das war doch unmöglich!

"Wer seid ihr? Und wo bin ich hier?", rief Vanillejunges, doch nachdem ihre Stimme ausgehaucht war, wurde es stockfinster und klirrend kalt.

Eine einzige Stimme, die zu einer nachtschwarzen Kätzin mit unheimlich leuchtenden eisblauen Augen gehörte, schallte durch die Dunkelheit. "Du bist im Exil."

"Bitte! Bitte, Funkensprung! Bitte, Nachtpelz! Bitte, Golddistel! Lasst mich rein! Ich habe sie ja eigentlich gerettet! Bitte!" Schläfrig erwachte Vanillejunges aus einer unruhigen Ohnmacht. Das letzte, an was sie sich erinnerte, waren die rauschenden Fluten, das tosende Wasser, das sie ertränken wollte. Korallenjunges' entsetzten Schrei und die dumpfen Stimmen von ihrer Mutter und den anderen Katzen, die von ihrer Schwester geholt worden waren.

Ein Fauchen und ein Rascheln, dann konnte Vanillejunges den vertrauten Geruch von Korallenjunges erkennen, hinter ihr stand Kristallpfote. Sein Duft war unverkennbar kristallpfotig, das wusste sie. Seit sie einen Mond alt war, waren die beiden beste Freunde und nie zu trennen. Kristallpfote nahm sie einfach, wie sie war, auch wenn sie extrem klein war und er sie um eine Schwanzlänge überragte, wenn er sich streckte.

"Ist sie wach? Vanillejunges, wie geht es dir? Ist dir warm genug?" Zitternde Pfoten streiften über ihre Flanke. "Du bist so kalt! Golddistel, welches Kraut soll ich dir bringen, damit ihr wärmer wird? Was, wenn sie am Erfrieren ist? Das ist alles meine Schuld! Ich hätte das Wasser bemerken sollen. Oder ich hätte sie nicht so vollquatschen sollen, dann hätte sie den Fluss womöglich gehört. Oh SternenClan, bitte lass sie überleben! Das könnt ihr mir nicht antun! Meine Schwester darf nicht sterben! Das ... das werde ich mir nie verzeihen und ewig trauern und nie wieder ein richtiges Leben führen können und immer von ihr träumen, da sie die beste Schwester ist, die ich habe und auch allgemein sehr nett und freundlich und hilfsbereit und aufgeweckt und manchmal niedlich und schlau und nett und toll und hilfsbereit und ..."

Anscheinend bekam Korallenjunges einen Klaps auf die Ohren, der ihren Redefluss stoppte. "Halt die Klappe, du Mäusehirn!", fauchte Kristallpfote verärgert, besorgt und belustigt zugleich. "Bist du seit neuestem ein Wasserfall oder was kommt da aus dir raus?"

Beleidigt murrte die cremefarbene Kätzin: "Sie ist meine Schwester, Oberschlaustern aus dem TollClan."

Plötzlich musste Vanillejunges einen Schwall Wasser husten, danach blieb sie wieder reglos liegen. Ihre Lunge brannte wie verrückt und erst jetzt bemerkte sie, dass sie Spinnweben an ihrem Bauch hatte.

"Vanillejunges!" Beide Katzen riefen gleichzeitig ihren Namen.

"W... was ist passiert?", fiepte die Kätzin schwach. "Und warum ... Spinnweben ... am B..." Sie verstummte. Ihr Hals und ihre Kehle taten so weh!

Korallenjunges sprang auf ihre Schwester zu. "Du bist in den Fluss gefallen und dann hab ich Funkensprung geholt und Kristallpfote und Dunkelpelz und Blattschweif und dann sind sie alle mit runter in die Tunnel und Kristallpfote und Blattschweif sind in den Fluss und Dunkelpelz ist in einen Tunnel gerannt und dan bin ich mit Funkensprung wieder aus der Höhle raus und-"

"Nicht so hektisch Korallenjunges, sie ist gerade erst aufgewacht." Kristallpfote stupste Vanillejunges mit der Nase sanft an. "Du bist im Wasser gegen einen Felsen geschmettert worden und hast Glück dass wir dich noch gefunden haben. Du bist fast ertrunken!" Er sah sie besorgt an.