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SPLITTERSTERN! NEIN!", SCHALLTE eine entsetzte Stimme durch das Lager. Doch plötzlich brach sie mit einem erstickten Laut ab. Was war passiert? Waren etwa gerade zwei Katzen gestorben? Der nachtschwarze Kater kam aus dem Kriegerbau geschossen. Wie er schienen auch alle anderen Katzen im Lager aufgewacht zu sein.

"Was ist los?", murmelte er verschlafen. Sein Fell war zerstrubbelt und er hatte noch Moosfetzen darin, anscheinend hatte er sich viel im Schlaf bewegt. Keine Antwort.

Eine dreifarbige Kätzin humpelte aus dem Anführerbau. "Eindr...", setzte sie an, doch sie wurde von einer Katze unterbrochen, die die Pfote nach ihr ausstreckte und sie am Schwanz zurück in den Bau zog. Von der Kätzin hörte man ein klägliches Winseln, dann einen unterdrückten Schrei.

Die Dornen vor dem Schülerbau raschelten und kurz darauf stand ein kleiner, grau getigerter Kater auf der Lichtung. Etwas später folgten auch zwei andere, einer weiß, der andere hellgrau gefleckt. "Unser Vater!", jaulte der weiße. "Windschatten!", klagte der grau getigerte.

Nachdem der weiße fertig war, traten auch zwei andere auf die Lichtung, beide waren cremefarben gemustert. Die erste, eine zierliche, kleine, lief zu dem weißen Kater hin und leckte ihm die Wange. "Alles ist gut, Kristallpfote ..." Der Kater war schluchzend auf den Boden gesunken, und als er sprach, zitterte seine Stimme genauso wie die der Kätzin.

"Unsere Eltern. Beide! Splitterstern ist wahrscheinlich tot und Windschatten wird gerade gequält. Vanillepfote, was soll ich nur tun?" Er vergrub seine Schnauze in Vanillepfotes langem Fell.

Jetzt erschienen noch mehr Katzen des Clans. Krieger, Älteste und sogar eine Königin wechselten verwirrte Blicke. "Was ist passiert?" oder "Wie soll es nur weitergehen?" kam es von ihnen. Ratloses Gemurmel tönte aus allen Richtungen, bis der schwarze Kater auf den Donnerfelsen sprang und den Kopf in den Anführerbau steckte. Entsetzt sog er die Luft ein, bevor er ganz verschwand.

"Was soll das, Nachtpelz? Willst du dich umbringen?", wollte die andere Schülerin entgeistert wissen.

Doch Nachtpelz ignorierte sie. Die Leiche des Anführers Splitterstern lag vor seinen Pfoten, Blut strömte aus einer sauberen Wunde an seiner Kehle. Es waren also Katzen gewesen.

Plötzlich erhob Windschatten ihre Stimme, sie klang rau und schwach. "Splitterstern …" Sie keuchte und sprach weiter: "Ihr müsst Splitterstern begraben. Er ist tot." Schmerzerfüllt schloss sie die Augen, und Nachtpelz war sich nicht sicher, ob vor Trauer oder wegen den Wunden. Splitterstern war so viele Monde ihr Gefährte gewesen und die beiden hatten sich immer geliebt, so wie Nachtpelz und seine Gefährtin Funkensprung.

In diesem Moment kamen zwei Kätzinnen in den Bau gerannt. Anscheinend hatten sie sich schon gedacht, dass Windschatten verletzt war. Die eine war golden getigert und die andere cremefarben mit dunkleren Flecken. Die zweite war die Schülerin, die anscheinend Vanillepfotes Schwester war. Die beiden waren erst sieben Monde alt, deswegen hatte Splitterstern eine Ausnahme gemacht und die beiden im selben Bau schlafen lassen, keiner wusste, wieso. Sie zwängten sich an Nachtpelz vorbei und kauerten sich neben Windschatten.

"Korallenpfote, gib mir bitte mal die Spinnweben", ordnete die goldfarben getigerte an, während sie einen Strauß Ringelblumen zu ihrer Schülerin schob. Sie musste jetzt schnell handeln, um Windschattens schlimme Wunden zu behandeln. Blut strömte über ihren Rücken und ihr hellbraun bis cremefarbenes Bauchfell war blutgetränkt.

Korallenpfote drückte ihr ebendiese in die Pfoten und begann dann sofort, die Ringelblumen zu zerkauen. Sie zog eine Grimasse, aber sie sagte nichts. Die Schülerin kaute noch schneller, als Windschattens Kopf zur Seite fiel und sie gequält stöhnte.

"Wird sie es überleben, Golddistel?", sorgte sich Nachtpelz und drehte sich zu der golden getigerten Kätzin. Die Heilerin wickelte gerade mehrere Schichten Spinnweben um den Rücken und Bauch der Kätzin, doch jetzt wendete sie sich kurz Nachtpelz zu.

Golddistel gähnte kurz verlegen und seufzte dann. "Ich weiß es nicht. Wir können es nur hoffen." Daraufhin wandte sie sich wieder Windschatten zu die sich nun schmerzerfüllt wand.

Der Krieger währenddessen war aus dem Bau auf den Donnerfelsen getreten. Sofort wurde er mit Fragen bestürmt: "Was ist passiert?", "Wer war das?" oder "Wie konnte so etwas passieren?" Da erhob sich eine einzelne klare Stimme: "Wird Windschatten es überleben? Oder ist sie schon ... tot?" Nachtpelz sah bedauernd auf Kristallpfote herab. "Wir können nur hoffen, dass sie überlebt, meint Golddistel."

Eine grau gefleckte Kätzin schlang schützend den Schwanz um ihre Jungen. Sie war die einzige Königin im Lager. "Wer hat Splitterstern und Windschatten das angetan?" Ihre Jungen quäkten und sie versuchte, sie zum Schweigen zu bringen.

Der schwarze Kater sprang vom Donnerfelsen und begab sich zu der besorgten Kätzin, um sie zu trösten. "Ich weiß es nicht, Nebelwind. Als ich in den Bau kam, waren die Eindringlinge schon weg und Windschatten ist gerade nicht ansprechbar. Verletzungen." Daraufhin sah ihn Nebelwind verängstigt an und verschwand mit ihren Jungen in der Kinderstube. Ein dunkel- und hellbraun gefleckter Kater lief ihr nach.

"Nachtpelz?" Er drehte sich nervös um und machte sich schon bereit auf Golddistels Worte. Sie stand auf dem Donnerfelsen. "Du musst einen Zweiten Anführer ernennen und zum Mondfelsen reisen."

"Ich… Solange ich weg bin, wird Funkensprung auf das Lager aufpassen", beschloss Nachtpelz kurzfristig. Er wusste nicht, wen er als seinen Stellvertreter wählen würde und hatte sich auch noch nie Gedanken darüber gemacht. Seiner Gefährtin konnte er jedoch klar vertrauen.

Eine hellrote Kätzin blickte überrascht auf, fasste sich aber sofort wieder. "Das werde ich, Nachtpelz." Sie lief zu ihm und vergrub ihre Schnauze in seinem Fell. "Pass auf dich auf. Wenn da draußen die Streuner noch herumlaufen…"

"Mir wird nichts passieren, keine Sorge." Mit diesen Worten lief der nachtschwarze Kater aus dem Lager, alleine und ohne Katzen, die ihn im Notfall hätten verteidigen können. Allein, ohne Katzen, die ihm womöglich das Leben retten könnten.