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WAS MEINST DU damit, er ist weg?!", rief Ahornfrost entsetzt und begann, unruhig auf und abzuschreiten. Sie wusste, dass Nachtpfote sehr gut in Verstecken war, aber wenn selbst seine Geruchspur sich plötzlich in Luft auflöste... SternenClan, wo ist mein Sohn?, dachte sie und sah zum Himmel auf. Eine Wolke bedeckte die Sonne und der Kätzin lief ein Schauer von den Ohren bis zur Schwanzspitze. Dann wandte sie sich wieder an Dornenflügel.

"Du willst mir einen Streich spielen, hab ich recht?" Sie starrte die sonnenfarbene Kätzin entgeistert an und erschrak, als diese besorgt den Kopf schüttelte. Das konnte doch nicht wahr sein!

Endlich kam auch Smaragdblick aus dem Kriegerbau getrottet. Er hatte einige Moosfetzen in seinem zottigen getigerten Pelz, was darauf hindeutete, dass er ein Nickerchen gehalten haben musste. "Ahornfrost... warum schreist du so herum? Ist was passiert?" Der Kater blinzelte, als er den erschrockenen Blick seiner Gefährtin bemerkte.

"Nachtpfote ist verschwunden! Was sollen wir tun?" Da schoss Ahornfrost eine Idee in den Kopf. "Wo ist Mohnblüte? Ich muss mit ihr reden!" Mit diesen Worten ließ sie Smaragdblick und Dornenflügel verwirrt stehen und setzte in wenigen Sprüngen auf den Feuerstein, wo Mohnblüte neben Strudelstern döste.

Die Köpfe von beiden Katzen schnellten in die Höhe, als sie die Pfotenschritte der Kätzin hörten. "Was gibt's?", murmelte die zweite Anführerin.

Ahornfrost blieb keuchend stehen und sah Mohnblüte eindringlich an. "Ich will, dass du Suchpatrouillen losschickst. Dornenflügel meint, Nachtpfote sei verschwunden. Er war im Lager und wir haben überall nach ihm gesehen, aber er war nicht da."

Die schwarz-weiße Kätzin richtete sich auf und streckte ihre Vorderläufe. "Nun gut. Ich werde sehen, was ich tun kann." Dann sprang sie vom Feuerstein und Ahornfrost folgte ihr. Das klingt jetzt alles schön beruhigend, aber was ist, wenn er nicht gefunden wird?  Finstere Gedanken schwirrten in ihrem Kopf, und mit jedem Herzschlag wurde ihre Angst größer.

"Saphirblatt, Dornenflügel, Eichenpfote!", hob Mohnblüte an und die drei Katzen tappten langsam in ihre Richtung. "Froschpelz, Rosenfleck!" Als alle da waren, fuhr sie schließlich fort. "Anscheinend ist Nachtpfote verschwunden, ist aber nicht im Lager. Sucht im Wald nach ihm."

"Warum nicht ich?", wollte Ahornfrost wissen.

Die Kätzin nickte. "Du kannst auch mitkommen."

Also trabten die sechs Katzen aus dem Lager. Leise betete Ahornfrost zum SternenClan. Hoffentlich endet er nicht wie Erle... Ihr lief es eiskalt den Rücken herunter.

"Wo wollen wir anfangen?", riss Froschpelz sie aus ihren Gedanken. "Ich finde, wir sollten uns aufteilen."

"Gute Idee", stimmte Saphirblatt zu. "Dornenflügel, Eichenpfote, ihr geht dorthin", wies er an und deutete mit dem Schwanz in die Richtung der LuftClan-Grenze. "Froschpelz, Rosenfleck, sucht gen WasserClan-Grenze", fuhr er fort und die vier Katzen machten sich auf den Weg. "Und Ahornfrost, du gehst mit mir." Er bedachte sie mit einem beruhigenden Blick. "Keine Sorge, wir werden ihn finden."

Ein bisschen warm wurde ihr schon ums Herz und sie schenkte seinen Worten leicht Glauben. Also nickte sie und Seite an Seite trotteten sie los. "Nachtpfote!", rief sie in den Wald hinein, doch nur ihr Echo antwortete ihr.

"Hör auf, dich zu verstecken, oder willst du einen Mond lang die Ältesten von Zecken befreien?", schloss sich Saphirblatt an.

Doch plötzlich wurde Ahornfrost schwarz vor Augen. Hilflos suchte sie nach dem cremeweißen Kater, doch sie sah ihn nirgendwo. Doch statt das Bewusstsein zu verlieren, musste sie nur einmal blinzeln und sie war zurück im Wald. Was zum SternenClan...? Auch der Geruch ihres Clan-Gefährten war weg. Stattdessen konnte sie die Gerüche von FeuerClan-Katzen, die sie nicht kannte, riechen. Was war mit ihr passiert? War sie überhaupt noch wach oder lag sie bereits in ihrem gemütlichen Moosnest im Kriegerbau?

Ohne zu zögern, rannte sie auf den Bach zu und wusch ihr Gesicht darin, doch es passierte nichts. Als sie ängstlich aufstand, um ihr Spiegelbild zu betrachen, fiel ihr eine Sache auf: ihr Fell war nicht mehr schildpattfarben, sondern schwarz! "Großer SternenClan, was habe ich falsch gemacht? Womit habe ich das verdient?", jaulte sie in den Himmel.

"Dachte ich mir auch gerade", murmelte eine junge Stimme und trat aus einem Gebüsch, dessen Blätter raschelnd auf den Boden fielen.

Ahornfrost wirbelte alarmiert herum. Vor ihr stand ein zierlicher, hellgrau gescheckter Kater mit den gleichen Augen wie Nachtpfote. "Was zum...", hob sie an, doch da verstand sie plötzlich alles. "Bist du... Nachtpfote?"

Die niedergeschlagenen Augen des Katers leuchteten auf. "Ja! Mein Fell ist so komisch grau geworden! Hilf mir, bitte! Wo bin ich?"

Offensichtlich war Ahornfrost auch "verschwunden", wie ihr Sohn. Er ist in Sicherheit! Freude strömte durch ihren ganzen Körper und sie musste erleichtert schnurren. Dem SternenClan war Dank!

"He, was schnurrst du so blöd? Du erinnerst mich an meine Mutter, die hat das auch immer gema- warte!" Er brach ab und seine Schwanzspitze zuckte verlegen. "Sag nicht, dein Fell hat sich auch verändert."

Doch die nun schwarze Kätzin konnte ihm nicht böse sein. Schön, sie hatte ihren Sohn gefunden, aber wie kamen sie da nur wieder heraus?