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SCHIMMERGLANZ STÜRMTE ZUM Kräuterlager. Sie war gerade dabei, Himbeerzweige und Fenchel zu holen, da Nachtschweifs Junge endlich kamen. Vor einem Mond hatte sie ihren vollen Heilernamen erhalten und Knisterpelz, Windpfote, Taunase, Traumglanz und Blaufeder hatten laut ihren Namen gerufen, ihre Stimmen waren von den Wänden der wunderschönen Mondhöhle zurückgeworfen worden. Schimmerglanz. Es war ein großartiger Name, den Taunase ihr gegeben hatte und sie liebte ihn. Zuerst hatte sie Ideen wie Schimmerpelz oder Schimmerschweif gehabt, aber ihrer Meinung nach passte Schimmerglanz am besten.

Im Kräuterlager angekommen, packte sie rasch ein Büschel Fenchel und musste kurz nach den Himbeerzweigen suchen, bevor sie den süßen Geruch erkannte. Das war das erste Mal, dass sie bei einer Geburt mithelfen konnte. Ich habe meinen Heilernamen bekommen, bevor ich geholfen habe, wenn eine Königin Junge bekommen hat, dachte sie glücklich. Ihre Mentorin hatte ihr das also anvertraut.

Schimmerglanz! Hör auf, nachzudenken und bring die Kräuter in die Kinderstube, bevor es zu spät ist. Da ging ihr ein beunruhigender Gedanke durch den Kopf. Wenn ich das hier vermassle, kann Taunase mich wieder zur Schülerin machen? Wenn schon, würde sie das tun? Das wäre ja grauenhaft! Sie beeilte sich und stolperte fast über Birnenjunges, der mit seinen Geschwistern, Donnerjunges und Wolkenjunges auf der Lichtung herumtollte. Die sechs kleinen Katzen waren aus der Kinderstube geschickt worden, um Nachtschweif so viel Ruhe wie möglich zu schenken.

Keuchend blieb sie im Bau stehen und ließ die Kräuter fallen, die sofort von Taunase hochgehoben und in mundgerechte Happen zusammengelegt wurden. "Iss das", miaute die weiße Kätzin und schob sie zu Nachtschweifs Schnauze, die die Blätter keuchend aufleckte. Ihr Bauch war dicker denn je und sie lag auf der Seite, ihr Gesicht war schmerzverzerrt.

"Ich hole ein bisschen Wasser", erklärte Schimmerglanz und sprintete zum Heilerbau zurück. Die scharrte etwas Moos zusammen und tränkte es in einer Pfütze, die sich am Rand sammelte. Dann eilte sie abermals zur Kinderstube und träufelte der Königin das Wasser ins Maul.

Plötzlich entdeckte Schimmerglanz eine winzige Kätzin mit einem feuerroten Pelz. Sie leckte es schnell und gleichmäßig ab, um die Durchblutung anzuregen. Doch das war nicht alles. Ein grau gestreifter Kater landete im Moos, auf dem Nachtschweif lag. Taunase leckte auch ihn ab, genau wie Schimmerglanz es tat. Das gleiche geschah bei den zwei weiteren Jungen, die geboren wurden: ein dunkelgrauer Kater mit eisblauen Augen und eine schwarze Kätzin, die ein Ebenbild der Königin war.

Nachtschweif ließ sich erschöpft fallen und keuchte angestrengt. "Du hast es geschafft", schnurrte Taunase, während Schimmerglanz sich aufmachte, um erneut Wasser zu holen.

Als sie zurück war, begutachtete sie die neugeborenen Katzen einige Herzschläge lang. "Sie sind so niedlich!", quiekte sie verzückt. Schade, dass ich niemals Junge bekommen werde.

"Kannst du Regenkralle holen?", bat Nachtschweif schwach und hievte sich auf die Vorderpfoten.

"Natürlich." Taunase sprang auf und musste nicht sehr weit laufen, denn der graue Kater wartete bereits ungeduldig vor dem Bau.

Als er eintrat, begann er, laut zu schnurren. "Sind die süß!" Sein Blick spiegelte Schimmerglanz' Gefühle exakt wider. "Wie wollen wir sie nennen?"

Seine Gefährtin schnurrte ebenfalls. "Ich finde, das Rote hier sollte Flammenjunges heißen. Teilweise aus Respekt gegenüber Sandherz." Für einen Herzschlag huschte ein Schatten über ihr glückliches Gesicht. "Benannt nach ihrer toten Mutter."

Schimmerglanz erstarrte. Flammenjunges! Konnte das etwas mit der Tochter der Flamme zu tun haben? Doch dann vertrieb sie den Gedanken schnell wieder. Mit der Tochter der Flamme war Sandherz gemeint. Und wie Nachtschweif bereits erwähnt hatte, war die Kätzin nach ihrer toten Mutter benannt worden. Außerdem hat Flammenjunges keine Tochter. Sie ist nicht mal einen Tag alt.

Regenkralle schien vor Glück zu platzen. "Das ist ein schöner Name." Dann musterte er die anderen Jungen und deutete auf den grau gestreiften Kater und die schwarze Kätzin. "Wie findest du Flugjunges und Rußjunges?"

Die Königin schnurrte ihre Zustimmung. Die werden morgen heiser sein, wenn sie so weiterschnurren, dachte Schimmerglanz leicht genervt. "Und dieser schwarze Kater hier sollte Tropfenjunges heißen. Seine Augen sind blau wie ein Wassertropfen, findest du nicht?" Sie schmiegte sich an ihren Gefährten.

Auf einmal platzte Sandherz in den Bau und drängte sich an den Heilerkatzen vorbei. "Glückwunsch!", miaute sie und warf ihrer Freundin einen liebevollen Blick zu. "Wie heißen sie?"

"Flugjunges, Rußjunges, Tropfenjunges und Flammenjunges", erklärte Nachtschweif und deutete nacheinander auf die genannten Katzen. Schimmerglanz sah, wie sich Sandherz' Muskeln beim Namen Flammenjunges anspannten, und auch Nachtschweif schien es bemerkt zu haben. "Sie habe ich nach deiner Mutter benannt. Ich meine, kommst zu damit zurecht? Ich ... es tut mir ..." Sie verstummte, ihr Ausdruck war zutiefst verunsichert.

"Alles gut", miaute Sandherz nur und holte Luft, um weiterzusprechen, aber Taunase fauchte sie verärgert an.

"Raus jetzt, und zwar sofort", fauchte sie und schob die sandfarbene Kriegerin aus dem Bau. "Sie braucht Ruhe, merkst du das denn nicht? Du kannst in ein paar Tagen wiederkommen."

Nachtschweif sah sie gereizt an, sagte jedoch nichts und ließ den Kopf auf ihre Pfoten fallen. Mit dem Schwanz schob sie ihre vier Junge an ihren Bauch und sie begannen sofort, ihre Milch zu trinken. Nach wenigen Herzschlägen fiel die erschöpfte Königin in den Schlaf.

Heiliger SternenClan, war das chaotisch, seufzte Schimmerglanz still und verließ zusammen mit Regenkralle und Taunase den Bau. Aber ich bin stolz, dabei gewesen zu sein. Ich finde, jede Katze sollte so etwas mal erlebt haben, bevor sie beim SternenClan wandelt. Es ist einfach wunderschön, zu sehen, wie die Kleinen aufwachsen und zu feinen Kriegern oder Heilern und vielleicht später selbst mal Königinnen werden. Ich hoffe, die vier sind gesund und dass sie ihrem Clan schon bald als starke Katzen helfen können. Verträumt stellte sie sich vor, wie die Wurfgefährten freudig auf und ab hüpften, während Echostern ihnen ihre Kriegernamen verlieh. Oder eben Taunase ...