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WEISST DU, ICH habe vorhin eine richtig fette Drossel erlegt", prahlte Hummelpelz und trabte neben Sandherz zur Grenze des ErdClans.

"Das ist schön." Die Kriegerin verlangsamte ihre Schritte und versuchte, dem unaufhörlichen Gelaber des braunen Katers zu entkommen, der nun allein vorlief.

Brombeerpfote, der nun neben ihr ging, drehte den Kopf in ihre Richtung. "Er mag dich", wisperte er verstohlen und lachte leise.

"Bitte was?" Sandherz zuckte entsetzt und ungläubig zurück. "Was redest du? Hast du was Falsches gefressen? Du solltest Taunase aufsuchen. Ich meine, klar, wir sind Freunde, aber ... so meinstest du das doch nicht, oder?" Natürlich meinte er, dass Hummelpelz und ich einfach nur Clan-Gefährten sind. Er geht mir einfach nur ständig auf die Nerven. Wobei ... ist das der Grund, warum er mir stets hinterherläuft? Das kann doch nicht wahr sein!

"Ich habe den Verstand nicht verloren, nein", gab der Schüler zurück. "Ich sage doch die Wahrheit. Hast du nicht gemerkt, wie er dich anschaut? Er will dein Gefährte sein!" Amüsiert und spöttisch sah er Sandherz an, die ihn verdutzt anglotzte. "Komm, gib ihm eine Chance. Du magst ihn ja auch."

Die Kriegerin schüttelte den Kopf. Der Kater dachte sich das alles nur aus, um sie zu ärgern. Bestimmt!

Hummelpelz blieb stehen. Falls er die beiden gehört hatte, ließ er sich nichts anmerken. "ErdClan-Katzen."

Sandherz witterte ebenfalls den Gestank des feindlichen Clans, und zwar nicht hinter der Geruchslinie, die war zu weit entfernt. "Sind sie etwa in unser Territorium eingedrungen?", vermutete sie entrüstet und stellte ihr Nackenfell auf.

"Da vorne sind sie!", rief Brombeerpfote und deutete auf eine fremde Patrouille, die mitten in ihrem Revier einem Eichhörnchen hinterherrannten. Die drei FeuerClan-Katzen jagten in ihre Richtung und Sandherz wurde mit jedem Satz empörter, ihr wehendes Schwanzfell sträubte sich ebenfalls. Würde es zu einem Kampf kommen? Der ErdClan war schon immer dafür bekannt gewesen, ohne Weiteres die Grenzen anderer Clans zu ignorieren und auf anderen Territorien zu jagen. Denen werde ich es zeigen!

Als die Gruppe bei ihnen ankam, kamen alle Katzen schlitternd zum Stehen, Sandherz konnte Minzbart, Farnpfote, Streifenblatt und ihre Schülerin Löwenpfote erkennen. Sie machte einen Buckel und bedachte Streifenblatt, die wohl die Patrouille anführte, mit einem bösen Blick. "Wie könnt ihr es wagen, im Revier des FeuerClans zu jagen?", fauchte sie.

Die silbern gestreifte Kätzin zeigte keine Anzeichen von Angst und antwortete völlig ruhig. "Das Eichhörnchen war auf unserem Territorium und ist dann über die Grenze gelaufen." Ihre blauen Augen blitzten gleichgültig.

Hummelpelz trat vor. "Wenn es über die Grenze gelaufen ist, ist es unsere Beute." Sein Pelz sträubte sich ebenfalls und ein tiefes Knurren regte sich in seiner Kehle. Er fuhr die Krallen ein und aus und Sandherz hatte das Gefühl, er würde die Feinde im Nu zerfleischen. Der Kater war schon immer sehr empfindlich gewesen, wenn es um Gerechtigkeit und das Gesetz der Krieger ging, und Sandherz stand da definitiv hinter ihm.

Farnpfote, eine schwarz-weiß gefleckte Kätzin, sah ihren Mentor verunsichert an, als er nickte, streckte sie jedoch den Kopf vor und legte die Ohren an. "Wir haben es gesehen, wir haben es gejagt, wir haben es auf unserem Territorium gefunden. Es ist unser Eigentum, egal, wo es hinrennt."

"Trotzdem hat euch keiner die Erlaubnis gegeben, einfach die Geruchslinie zu überqueren und zu jagen", knurrte Sandherz. Unverschämte Katzen! "Selbst wenn es euch gehören würde, was natürlich nicht zutrifft."

Die junge Schülerin fauchte sie an. "Was redest du eigentlich? Du warst nicht einmal da..." Sie verstummte, als Minzbart sie mit der Pfote in die Flanke stieß. Dennoch zitterten ihre Beine vor Wut.

Sie hat kein Recht, so mit mir zu sprechen, nur weil sie die Tochter von Sichelstern ist! Das ging Sandherz zu weit. Also ließ sie es zu, dass die ErdClan-Katzen sie provozierten, und ging auf Farnpfote los, die entsetzt quiekend zurückwich. Sie spürte auf einmal, wie Zähne sie am Schwanz packten und wie sie zurückgezogen wurde.

Hummelpelz spuckte ein paar lange Haare aus. "Lass die Schülerin in Ruhe", knurrte er, fuhr dann aber an die feindlichen Katzen gewandt fort. "Verschwindet sofort, oder wir zerfetzen euch die Pelze", fauchte er und Farnpfote preschte davon. Damit ließ sie den anderen keine andere Möglichkeit, als ihr zu folgen.

Nun drehte der Kater sich zu Sandherz um. "Was sollte das denn?", fuhr er sie verärgert an.

Ihre Augen verengten sich zu schmalen Schlitzen und Wut kochte in ihr hoch. Und der sollte ihr Gefährte sein? Von wegen! Brombeerpfote hatte sich ja so richtig geirrt. "Lass das mal meine Sache sein", zischte sie nur, wirbelte herum und stürmte davon. Dann würde sie halt allein die Grenzen zum WasserClan kontrollieren. Soll Hummelpelz doch zum Lager zurückgehen. Ist mir eh egal.

Doch der dachte nicht einmal daran, sie in Ruhe zu lassen. Schnell eilte er ihr hinterher. "Hey, so meinte ich das doch gar nicht", versuchte er sie zu beruhigen. "Komm, sei bitte nicht beleidigt."

Seine Stimme klang so entschuldigend, dass Sandherz nicht anders konnte, als stehen zu bleiben. "Na gut", miaute sie gereizt. "Aber hör bitte auf, mich vor den anderen Katzen zu blamieren." Es war ihr wirklich peinlich gewesen, dass Hummelpelz sie wie ein übermütiges Junges behandelt und die ErdClan-Katzen zugesehen hatten.

"Natürlich, Sandherz", schnurrte er sofort und Brombeerpfote warf Sandherz einen vielsagenden Blick zu: Ich sagte doch, dass er dich als mehr als nur eine Freundin sieht!

Ihre Ohren zuckten und sie lief eilig weiter. Das konnte so doch nicht weitergehen!