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SANDHERZ HIELT DEN Schwanz so still wie möglich, um das Kaninchen, an das sie sich anpirschte, nicht aufzuschrecken. Dann sprang sie blitzschnell nach vorne, doch das Tier war schneller. Alamiert hoppelte es los, aber alles lief nach Plan. Es lief geradezu in Honigwolkes Krallen, der sofort zuschnappte und das Kaninchen mit einem sauberen Biss ins Rückgrat tötete. Sandherz hörte die Knochen knacken und auch Brisenherz und Windpfote kamen aus dem Gebüsch getappt, um die Beute zu begutachten.

"Guter Fang", miaute Brisenherz anerkennend und Honigwolkes Schüler nickte zustimmend.

"Lasst uns das Kaninchen dort drüben vergraben, um es später aufzusammeln." Er deutete mit der Schwanzspitze auf einen Brombeerstrauch in der Nähe der Katzen. "Wir können noch ein bisschen mehr auftreiben, finde ich."

Also tappte die Patrouille weiter durch den Wald und die vier Katzen hielten die Nasen und Ohren stets offen, immer auf der Suche nach Beute. Fast ein Mond war vergangen, seit Nachtschweif Sandherz erzählt hatte, dass sie Junge von Regenkralle erwartet hatte. Nun lag sie in der Kinderstube und passte zusammen mit Rauchbach auf sechs Junge auf: Donnerjunges und Wolkenjunges, die leiblichen Söhne von Rauchbach, und Schlangenjunges, Mausjunges, Gewitterjunges und Birnenjunges, die Ziehjunge von der Anführerin Echostern. Während Donnerjunges und Wolkenjunges nur etwa zwei Monde alt waren, würden die anderen vier sehr bald zu Schülern ernannt werden. Sandherz fragte sich, wer wohl ihre Mentoren werden würden.

Plötzlich hob Brisenherz warnend den Schwanz, sie hatte Beute gewittert. Als Sandherz ebenfalls nach Gerüchen forschte, erkannte sie den unverkennbaren Duft von Wühlmaus.

Honigwolke nickte Windpfote zu. "Versuch du, die Wühlmaus zu fangen."

Während die drei Krieger zusahen, wie sich Windpfote duckte und sich dicht über den Boden schob, schweiften Sandherz' Gedanken wieder ab. Sie konnte sich irgendwie nicht vorstellen, dass ihre beste Freundin Mutter wurde. Was ist, wenn sie sich nur noch um ihre Jungen kümmert?, ging es ihr durch den Kopf. Wenn sie mich in Zukunft gar nicht mehr beachtet? Dann schüttelte sie die egoistischen Gedanken ab. Natürlich wird sie mehr Zeit in der Kinderstube verbringen müssen. Ich bin nicht die wichtigste Katze in ihrem Leben. Sie war ein bisschen verärgert über sich selbst, weil sie nur an sich dachte.

"Halt den Schwanz ruhig", mahnte Honigwolke gerade seinen Schüler, der sofort aufhörte, damit zu wedeln. "Drück ihn am besten an deine Flanke, um zu vermeiden, dass du mit Blättern raschelst."

"Mach ich", flüsterte Windpfote und schlich konzentriert weiter. Er achtete darauf, seine Pfoten so leise zu setzen, dass die Wühlmaus ihn nicht bemerkte.

Auf einmal drehte der Wind und trug den Geruch des hellgrau getigerten Katers direkt in die Richtung des kleinen Tiers, worauf es aufhörte, seinen Bart zu putzen und in großen Sätzen davonsauste. Der Schüler jagte einige Fuchslängen hinterher, aber die Wühlmaus verschwand in einem Erdloch, das zu klein für jede Katze war.

"Mäusedung!", fauchte Windpfote verärgert und trottete zu seinem Mentor zurück, der ihm tröstend den Schwanz auf die Schulter legte.

"Mach dir nichts draus", murmelte er. "Wir haben genug Beute, findet ihr nicht auch?", fragte er Sandherz und Brisenherz, die zuversichtlich nickten. "Lasst uns ins Lager zurückkehren."

Auf dem Weg zurück sammelte die Patrouille noch das Kaninchen, eine Drossel und zwei Spitzmäuse ein, die Brisenherz zuvor erlegt hatte. Sandherz stürzte in die Kinderstube, um mit Nachtschweif zu sprechen.

Der Bauch der Kätzin war stark geschwollen und sie spielte mit Wolkenjunges Moosball, doch als Sandherz den Bau betrat, ließ sie von dem jungen Kater ab und streckte ihre Beine. "Hallo, Sandherz", schnurrte sie und erhob sich, um zu ihrer Freundin zu schwanken. "Was führt dich hierher?"

"Ich wollte sehen, wie es dir geht", erklärte die sandfarbene Kriegerin und leckte der schwarzen Kätzin freundschaftlich das Ohr. "Aber es scheint ja alles bestens zu sein", fügte sie mit einem amüsierten Blick auf Wolkenjunges hinzu, der verärgert dreinblickte.

Er warf den Moosball an Nachtschweifs Kopf und sein buschiger Schwanz schlug ungeduldig hin und her. "Hier ist gar nichts bestens! Wir haben so schön gespielt, als du reingekommen bist und alles zerstört hast." Seine grünbraunen Augen sahen aus, als würde er sich jederzeit auf Sandherz stürzen, was er schließlich auch tat. Er krallte sich in ihren Rückenfell fest und verbiss sich mit seinen winzigen Zähnen in ihrem Nacken.

"Hilfe, jemand rette mich!", jaulte Sandherz spielerisch und tat so, als würde der eifrige Kater sie überwältigen.

Plötzlich sprang er von ihrem Rücken und starrte gedankenverloren in der Luft herum. "Ich hab eine Idee ...", begann er verträumt.

"Oh nein, was hat er jetzt schon wieder vor?", lachte Rauchbach, seine Mutter, die dem ganzen belustigt zugesehen hatte.

Wolkenjunges sprang auf. "Donnerjunges, Schlangenjunges, Mausjunges, Birnenjunges, Gewitterjunges! Kommt mal her!" Die Jungen kamen sofort angehopst und setzten sich mit leuchteten Augen vor dem braun-weiß gescheckten Kater.

Der richtete sich auf und bemühte sich, seine Stimme tief und laut klingen zu lassen. Hoffentlich stellt er nichts an, dachte Sandherz und wartete gespannt auf seine Reaktion. "Donnerjunges, tritt vor!", rief er, und als sein Bruder genau das tat, fuhr er fort. "Ich, Wolkenstern, Anführer des WolkenClans, rufe meine Kriegerahnen an und ..." Er sah seine Mutter an. "Wie geht es weiter?"

Die Königinnen und Sandherz prusteten. Das war ja eine lustige Idee! Er hatte wohl vor, einen Clan zu gründen!

"Ich, Wolkenstern, Anführer des WolkenClans, rufe meine Kriegerahnen an und bitte sie, auf diesen Schüler herabzublicken. Er hat hart gearbeitet, um eure edlen Gesetze zu erlernen, und ich empfehle ihn euch nun als Krieger", erklärte Rauchbach schnurrend und Wolkenjunges wiederholte ihre Worte stolz. "Jetzt frag Donnerjunges, ob er verspricht, das Gesetz der Krieger zu achten und den Clan zu beschützen, selbst wenn es sein Leben kostet", fügte sie hinzu und auch das tat der braun-weiße Kater.

"Ich verspreche es!", maunzte Donnerjunges und trat aufgeregt von einer Pfote auf die andere.

Rauchbach wollte weitersprechen, doch ihr Sohn unterbrach sie. "Ich weiß, wie es weitergeht." Er wandte sich Donnerjunges zu. "Dann gebe ich dir, mit der Kraft des SternenClans, deinen Kriegernamen. Donnerjunges — ich meinte Donnerpfote —, von diesem Augenblick an wirst du ..." Das Gesicht des kleinen Katers verzog sich angestrengt, dann leuchteten seine Augen neckend auf. "Donnerpups heißen! Der SternenClan heißt dich im WolkenClan willkommen, Donnerpups!"

"Was?!", kreischte Donnerjunges. Oder Donnerpups, rief sich Sandherz belustigt in Erinnerung. "Das ist nicht fair!" Er warf sich auf seinen Bruder und die beiden Kater rollten quiekend durch die Kinderstube. Am Ende saß Donnerjunges triumphierend auf seinem Gegner. "Ab jetzt heiße ich Donnerklaue und bin der Zweite Anführer des WolkenClans!", verkündete er stolz.

"Dann bin ich, Mauskralle, die Heilerin vom WolkenClan", meldete sich Mausjunges und hoppelte wild umher.

"Ich will Schlangenzahn heißen", miaute Schlangenjunges.

"Mein Name ist jetzt Gewitterherz."

Die fünf kleinen Katzen tollten verzückt in der Kinderstube herum, nur Birnenjunges blieb still. Was ist mit ihm?, wollte Sandherz innerlich wissen, aber sie sprach ihre Frage nicht laut aus. Ich schätze, er ist einfach müde. Da muss ich mir keine Gedanken machen.

"Sandherz? Wo steckst du?"

Mit einem entschuldigenden Blick auf Rauchbach und Nachtschweif verließ sie die Kinderstube und sah Hummelpelz vor dem Frischbeutehaufen sitzen, ein Eichhörnchen im Maul. Was wollte er denn nun schon wieder von ihr? In letzter Zeit war er ihr ihrer Meinung nach ein bisschen zu oft hinterhergelaufen.

Als der Kater sie entdeckte, trabte er direkt auf sie zu, Freude lag in seinem Blick. "Hier, ich wollte mir dieses Eichhörnchen mit dir teilen." Er ließ die Beute fallen und setzte sich hin, um mit dem Fressen zu beginnen.

Sandherz riss sich widerwillig ein Bein ab und begann zu kauen. "Willst du mit mir reden oder so?", nuschelte sie mit vollem Maul. "Wir haben doch gar nichts miteinander zu tun, aber du rufst mich ständig zu dir."

Für einen Herzschlag glaubte sie, er wäre gekränkt, aber der Ausdruck verflog so schnell wie ein Kaninchen auf der Flucht. "Äh, nein, eigentlich nicht. Ich wollte nur mit dir essen." Er sah etwas nervös aus und aß schneller. Was war nur mit ihm los? "Wie geht es dir so?", fragte er schließlich, um die Stille zu vertreiben.

"Gut", miaute Sandherz kurz angebunden und Verwirrung breitete sich in ihr aus.

"Freut mich", schnurrte Hummelpelz und stand auf, nachdem die beiden das Eichhörnchen vollständig verschlungen hatten. "Hast du Lust, mit Brombeerpfote und mir auf Grenzpatrouille zu gehen? Der ErdClan ist bestimmt mal wieder zu gierig, wenn es um Territorium geht."

Um der peinlichen Situation zu entkommen, stimmte Sandherz zu und winkte den getigerten Schüler zu sich, der gerade eine Spitzmaus aß, und Pelz an Pelz trotteten die beiden Krieger aus dem Lager.