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ZUTIEFST ERSCHÜTTERT FOLGTE Sandherz der buschigen Schwanzspitze ihrer besten Freundin, ihre eigene wehte wippend hinter ihr her. Ihre flauschigen Ohren waren unbehaglich angelegt und sie wappnete sich jetzt schon auf das grauenhafte Bild, das sie wohl erwarten würde. Oder war es überhaupt wirklich so schlimm? Die schwarze Kätzin hatte erschrocken behauptet, der gellende Schrei sei von Giftpfote gewesen, Brisenherz’ neuem Schüler, der am gestrigen Tag zusammen mit Schneepfote, Lichtpfote und Ampferpfote dem FeuerClan beigetreten war. Er hatte panisch geklungen, deshalb würde es eher negativ als positiv sein, so viel stand fest. Sandherz wurde es eiskalt und ihr weiches Rückenfell stellte sich widerstrebend auf. Lichtpfote, Ampferpfote und Giftpfote hatten kaum mit ihrer langen Ausbildung begonnen und schon passierte ihnen etwas? Doch was mochte es nur sein? Hoffentlich geht es ihnen gut. Was soll Schneepfote sonst von uns halten? Sie sind noch so jung und unerfahren! Im schlechtesten Falle eines hinterlistigen Angriffs würden sich die neuen Schüler überhaupt nicht verteidigen können, da sie überhaupt noch kein Kampftraining gehabt hatten, obwohl es doch so wichtig war. Das einzige, was sie bisher gelernt hatten, war, wie das riesige Territorium des FeuerClans aussah, und das auch nur in Maßen. Nachtschweif war schließlich plötzlich ohnmächtig geworden und die anderen hatten sie dann augenblicklich zurück ins sichere Lager gebracht, ohne den Rest des Reviers zu besichtigen. Was ein dummer erster Tag als Schüler!
Platz In düstere und bedauernswerte Gedanken versunken, krachte sie mit einem Mal mitten in ihre Freundin, die vor ihr abrupt zum Stehen gekommen war und nun mit angespannten Muskeln auf die grausame Szene starrte. Sandherz wollte sie schon gereizt anblaffen, aber sie verkniff es sich angestrengt und drehte ihren Kopf grausend in dieselbe Richtung, bevor sie ebenfalls erstarrte. Da lag Lichtpfote in einer leuchtend roten Blutlache, reglos und zusammengekauert wie ein verängstigtes Junges. Blut strömte unaufhörlich aus einer tiefen Bisswunde an ihrer Flanke und sickerte ruhig ins mittlerweile rote Gras. Ihre giftgrünen Augen waren geschlossen und der furchtbare Schmerz stand ihr ins verzerrte Gesicht geschrieben. War sie tot? Sandherz’ langes Schwanzfell stellte sich auf. Nein! Sie darf nicht tot sein! Das hatte sie nicht verdient! Neben ihr standen Ampferpfote und Giftpfote, beide waren ebenfalls schwer verletzt. Der grau-weiße Kater hatte ein eingerissenes Ohr und einen auffälligen Biss an der Schulter und ihm fehlte ein dickes Fellbüschel am Hinterkopf, doch zum Glück konnte er sich noch mühelos auf den Pfoten halten. Giftpfotes Schnauze und seine Flanke waren heftig zerkratzt und er blutete sehr stark am weichen Bauch. Im Gegensatz zu Ampferpfote war er kraftlos zusammengesackt und der Boden unter ihm war ebenfalls rot gefärbt. Wer hatte ihnen das angetan? Wie konnte man nur so böse sein? War es ein feindlicher Clan? War es ... Sie wollte die schreckliche Vermutung nicht zu Ende denken. ... Amselruf?
Platz Sie konnte wohl eher von Glück reden, selbst wenn es natürlich kein Glück war. „Fuchs ...“, hauchte Ampferpfote schwach und Sandherz zuckte erschrocken zusammen. Da erkannte sie schon die zerstörte Hecke, die mit riesigen Zähnen und langen Krallen eingerissen worden war und eigentlich das Lager beschützen sollte. An der Stelle, wo das große Tier eingebrochen war, standen die vorher fest zusammengeflochtenen Zweige wild hervor und hier und dort hingen ein paar orangefarbene Haare an spitzen Dornen, die unverkennbar nach Fuchs stanken. Doch von dem hinterlistigen Biest war nichts mehr zu sehen, offensichtlich hatte es sich fluchtartig aus dem Staub gemacht, als es Sandherz und Nachtschweif gehört hatte. Dumm war der Fuchs ja nicht ... aber wieso waren Ampferpfote, Lichtpfote und Giftpfote überhaupt hier? Sie gehören bestimmt nicht hinter den Kriegerbau, sondern in den Schülerbau! Leicht verärgert schob sie ihre Bedenken beiseite. Es gab Wichtigeres in diesem Moment!
Platz Sie fuhr überrascht zusammen, als sich ein warmer Pelz drängend an ihr vorbeischob und Schimmerpfote, Taunase, Brisenherz und Kieselpelz neben ihr auf die winzige Wiese strömten, Nachtschweif führte sie mit hängenden Ohren an. Als die neueren Katzen die drei verwundeten Schüler ebenfalls erblickten, rissen sie entgeistert die Augen auf. Die zierliche, unschuldige Brisenherz sprang reflexartig eine Schwanzlänge rückwärts, bevor sie sich mit niedergeschlagen über dem Boden schleifenden Schwanz langsam wieder näherte. Kieselpelz und Nachtschweif standen nur bewegungslos da und betrachteten die furchtbare Szene ausdruckslos. Was ging wohl in ihnen vor sich? Taunase und Schimmerpfote hatten mehrere dicke Bündel Kräuter im Maul, ließen sie rücksichtslos auf den Boden fallen und begannen eilig, ein paar intensiv riechende Pflanzen gleichmäßig zu zerkauen und auf die schlimmsten Verletzungen der jüngeren Schüler aufzutragen. Schimmerpfotes Pfoten waren voll mit weißen Spinnweben, welche sie zusätzlich schnell an Lichtpfotes hellrot gefärbte Flanke presste, um die scheinbar unaufhörliche Blutung doch zu stoppen. Nachtschweif hat ihre Mentoren und die Heilerkatzen des FeuerClans geholt! Gut, dass sie selbst in kritischen Situationen schnell handeln kann und niemals die Fassung verliert. Sandherz war froh, dass ihre Freundin so gut reagiert hatte und wusste gerade nicht so recht, was sie tun sollte. Schweigend und mit einem flauen Gefühl im Bauch sah sie dem Geschehen zu.
Platz Taunase, die sich bis jetzt um Ampferpfote gekümmert hatte, wandte sich nun an Nachtschweif und Kieselpelz. „Helft mir, sie in meinen Bau zu bringen“, befahl sie drängend und das starke Zittern ihrer Schnurrhaare duldete keine Widerrede. Die beiden Krieger schoben Lichtpfote augenblicklich auf ihre Schultern. Wankend trotteten die drei los, während ihre Schülerin die verbliebenen Katzen bittend ansah. Mit einer kurzen Schwanzgeste trieb sie Brisenherz und Sandherz zurück auf die Lichtung und lotste Giftpfote und Ampferpfote genau wie Lichtpfote in den Heilerbau, um sich dort auch um die Wunden zu kümmern.
Platz Als Sandherz endlich zum Stehen kam, scharten sich ihre Clan-Gefährten bereits vor ihr und sahen sie und Brisenherz fragend und erwartungsvoll an. „Was ist passiert?“, wollte Hummelpelz neugierig wissen, als er die beiden zerknirschten Kriegerinnen entdeckte. Na toll, jetzt muss ich es ihnen auch noch erklären! Sie verkniff sich ein gereiztes Stöhnen und ihr buschiger Schwanz begann, zornig durch die Luft zu schlagen.
Platz Doch Brisenherz stellte sich wütend vor sie und reckte die weiße Schnauze starr vor, bis sie nur noch eine Schnurrhaarbreite von Hummelpelz’ entfernt war. „Das geht euch nichts an“, blaffte sie genervt und der langhaarige, braune Krieger trat überrascht einen Schritt zurück, bevor er sich wie die anderen Katzen auf der Lichtung irgendwohin verstreute. Das ging ja schnell ... na ja, ist auch gut so.
Platz Sandherz warf ihr einen dankbaren Blick zu und tappte dann nervös zum vollen Frischbeutehaufen, um sich eine magere Spitzmaus zu nehmen. Sie hatte gerade erst einen kleinen Bissen genommen, als die dichte Brombeerhecke am Eingang des Lagers laut raschelte. War es der Fuchs? Wie viele von uns will er bloß töten?, jammerte sie verzweifelt im Kopf und machte sich dafür bereit, dass das bellende Ungeheuer plötzlich ins Lager stürmte und versuchte, so viele schockierte Katzen wie möglich zu schnappen.
Platz Es war jedoch kein Fuchs, sondern Kristallpfote, Funkenpelz, Himbeerfell und Flockenschweif, die sich um eine große Gruppe von nach Fisch stinkenden WasserClan-Katzen aufgestellt hatten und diese staksig auf die Lichtung brachten. Es war eine schildpattfarbene und eine graubraune Kätzin, ein rot-weißer und zwei grau-weiße Kater. Sandherz konnte Maisherz und Morgenzweig und ihre Schüler Sumpfpfote und Tulpenpfote erkennen, außerdem war da der feindselige Kater Grausee, der mürrisch in der Luft herumstarrte. Die geschmeidigen, glänzenden Felle der Fremden waren nur mit viel Mühe glatt gehalten, das konnte sie leicht erkennen. Doch was hatten sie hier zu suchen? Noch dazu zu diesem völlig unpassenden Zeitpunkt! Sie stöhnte verärgert auf und setzte sich mit viel Schwung auf den weichen Boden, den federähnlichen Schwanz verspannt um die Vorderpfoten gelegt.
Platz Echostern kam bereits in ein paar weiten Sätzen angesprungen und baute sich drohend vor den fünf Eindringlingen auf. „Was wollt ihr hier?“, knurrte sie misstrauisch und ihr kurzes Nackenfell sträubte sich argwöhnisch. Ihr dünner Schwanz peitschte schnell hin und her und schlug dumpf auf dem grünen Gras auf, das von ihren Clan-Gefährten schon ziemlich platt getreten war. Wieso war sie nur so wütend? Sie scheinen eher friedlich gesinnt zu sein. Da sollte Echostern sie doch nicht so erbost mustern, fand Sandherz überrascht und trat unschlüssig von einer Pfote auf die andere. Aber es ist eine verhältnismäßig große Patrouille. Wir sind zahlenmäßig weit überlegen, soweit ich weiß, sind es trotzdem unter anderem die stärksten Krieger des WasserClans. Als sie Grausee einige Herzschläge lang betrachtete, wurde ihr eiskalt und ein Schauder jagte ihren Rücken hinunter. Er war der erfahrenste und beste Krieger im ganzen Clan, durch ihn hatte er zahlreiche blutige Schlachten gewonnen, obwohl er noch eher jung war. Was hatte der WasserClan bloß vor?
Platz „Sei gegrüßt, Echostern.“ Morgenzweig neigte höflich den Kopf vor der ärgerlichen Anführerin und sein Schüler Tulpenpfote tat es ihm gleich. „Wir sind nicht auf einen Kampf aus“, versicherte er ihr freundlich. „Wir wollen dich nur wegen zwei eurer Schüler sprechen.“ Erwartungsvoll spannte er seine kräftigen Beine an und wartete darauf, losgehen zu dürfen. Aber wohin?
Platz Echosterns Ohren zuckten einen Herzschlag lang. „Kommt mit in meinen Bau“, befahl sie kurz angebunden und machte schnell kehrt, bevor sie auf den Feuerstein zustolzierte, um schließlich elegant nach oben zu klettern. Die WasserClan-Katzen taten es ihr respektvoll gleich und hievten sich schwerfällig hoch, versuchten, sich ihre Mühe nicht anmerken zu lassen. Sumpfpfote hatte deutliche Schwierigkeiten mit dem glatten Gestein, schlug sich aber tapfer und blieb schließlich stolz ganz oben an der Spitze des majestätischen Felsens stehen, bevor ihr graubrauner Schwanz in der großen Höhle der Anführerin verschwand.
Platz Über was wollen sie sich unterhalten?, überlegte Sandherz neugierig und beschloss, sie zu belauschen. Leise wie eine jagende Eule in der dunklen Nacht schlich sie um den riesigen Stein herum und versteckte sich augenblicklich in einem naheliegenden Brombeerstrauch. Die spitzen Dornen zerrten schmerzhaft an ihrem seidigen Pelz, doch sie ignorierte sie und konzentrierte sich voll und ganz darauf, was im Bau über ihr gesagt wurde. Das könnte interessant werden!
Platz „Es geht um Amber und Tinkles“, berichtete Maisherz gerade schüchtern. „Wir haben gesehen, dass drei von euren Kriegern Tinkles und zwei andere junge Katzen gestern an der WasserClan-Grenze vorbeigeführt haben.“ Schneepfote und Ampferpfote? Was ist mit ihnen? Haben sie etwas falsch gemacht?
Platz Nun wurde die raue Stimme von Grausee laut, dem mutigsten Krieger im WasserClan. „Daraus folgerten wir, dass ihr ihn und seine Gefährtin aufgenommen habt“, fuhr er verächtlich fort. Sandherz konnte sich vorstellen, was er denken musste: Warum nimmt der FeuerClan Hauskätzchen auf? Das verstößt gegen das Gesetz der Krieger! Ihr drehte sich erschüttert der Magen um. „Wir wollen aber nicht, dass ihr unsere Katzen in eurem Clan gefangen nehmt.“ Gefangen nehmen? Wer hat denn davon gesprochen? Und ihre Katzen? Sie haben doch gesagt, dass sie den WasserClan gar nicht wollten!
Platz Echostern schnappte scharf nach Luft und das zischende Geräusch hallte gespenstisch von den harten Höhlenwänden wider. „Schneepfote und Ampferpfote sind weder WasserClan-Katzen noch haben wir sie gefangen genommen“, entgegnete sie gereizt und die sandfarbene Kriegerin konnte sich gut vorstellen, dass sich ihr silbernes Rückenfell gesträubt hatte. „Nachtschweif hat sie zusammen mit Giftpfote und Lichtpfote an der Grenze gefunden und wir kümmern uns jetzt um die Hauskätzchen“, stellte sie leicht wütend klar. „Sie haben das Potenzial von wahren Kriegern. Beim FeuerClan sind sie in guten Pfoten.“
Platz Der dunkelgraue Kater Morgenzweig knurrte leise. „Ihr glaubt denen doch alles. Vertrau mir dieses eine Mal, Echostern, denn du kannst dir sicher sein, dass sie lügen. Sie sind echte WasserClan-Katzen und keine Hauskätzchen.“
Platz „Ja“, pflichtete ihm Maisherz zustimmend bei. „Amber ist das Junges von Heidestrauch, aber sie ist von Zweibeinern entführt und in den Zweibeinerort gebracht worden, als sie noch nicht einmal ihre Augen offen hatte.“ Sie seufzte traurig. „Diese Biester sind in unser Lager eingedrungen. Wir konnten alle fliehen, aber Amber wurde erwischt.“ Dann wurde ihre zittrige Stimme wieder hart. „Dort wurde sie als Hauskätzchen großgezogen und hat Tinkles getroffen. Jedoch hat sie noch immer echtes WasserClan-Blut in sich und gehört deshalb uns. Und Tinkles auch.“ Schneepfote ist die Tochter von Heidestrauch? Heidestrauch war ein stämmiger, braun getigerter Kater, der der ängstlichen Schneepfote überhaupt nicht ähnlich war. Und überhaupt, wer sollte die Mutter sein? Da Maisherz sie nicht erwähnt hatte, vermutete Sandherz, dass es eine Einzelläuferin oder so war.
Platz Echostern fauchte zornig auf. „Sie bleiben bei uns“, verkündete sie bestimmerisch. „Sie haben sich für den FeuerClan entschieden, also habt ihr kein Recht auf sie. Wir können bei der Großen Versammlung mit Habichtstern darüber sprechen, aber meine Meinung wird sich nicht ändern.“ Dem SternenClan sei Dank! Sandherz atmete erleichtert auf und stellte sich die zu Schlitzen verengten Augen ihrer Anführerin vor. Gut, dass die Versammlung schon heute Nacht ist. Dann ist dieses Problem ein für alle Mal geklärt.
Platz Die silberne Kätzin mit den schwarzen Streifen landete krachend neben ihr im weichen Gras, gefolgt von den fünf feindlichen Katzen. Widerwillig tappten sie hinter ihr her und blieben stur stehen, als Echostern die Stimme erhob. „Sandherz, Funkenpelz, Kristallpfote, Blütenschweif, Wacholderpfote, Distelmond!“, rief sie laut über die Lichtung und die sechs Katzen kamen überrascht zu ihr gelaufen. Auch Sandherz presste sich mit einem unterdrückten Schmerzensschrei aus den langen Dornen, in denen sie lauschend gesessen hatte. Sie wollte nicht, dass Echostern etwas bemerkte, doch da konnte sie wohl leider nichts tun. „Ich möchte, dass ihr Maisherz, Sumpfpfote, Grausee, Morgenzweig und Tulpenpfote zurück zu ihrer Grenze begleitet“, ordnete die Anführerin stur an und deutete mit dem dünnen Schwanz auf die stinkenden Fremden. Die sandfarbene Kriegerin rümpfte angewidert die Nase, befolgte aber gehorsam den Befehl und nahm die WasserClan-Katzen disziplinarisch in die Mitte ihrer großen Patrouille.
Platz Schweigend und rasch bewegten sie sich auf die Geruchslinie zum WasserClan zu, die man bereits von der Entfernung einer Baumlänge riechen konnte. Ich hoffe, dass die Große Versammlung friedlich abläuft. Wenn der Waffenstillstand nicht beachtet wird, bricht das das Gesetz der Krieger. Ihr schauderte. Aber diese Katzen wirken so wütend auf uns ... was ist, wenn sie sich nicht daran halten? In ihrer Unachtsamkeit stolperte sie fast über eine aus dem Boden ragende Wurzel, rappelte sich jedoch peinlich berührt wieder auf und beeilte sich noch mehr.
Platz Und als die WasserClan-Katzen mit dem ekelhaften Geruch fluchend wieder über den mit kleinen Steinen gespickten, tiefen Graben sprangen, drehte sich Grausee noch einmal bedächtig um und starrte Sandherz direkt in die geweiteten, bernsteinfarbenen Augen. Sein eisiger Blick war durchdringend und so feindselig, sie konnte sich grausend ausmalen, was er ihr damit mitteilen wollte: Auf der Großen Versammlung überlasst ihr sie uns, wenn ihr euch weigert, werden wir uns mit Krallen und Zähnen dafür einsetzen.

Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch folgte Sandherz gehorsam der großen Gruppe an Katzen, die für die heutige Große Versammlung ausgewählt worden waren. Der weiße Mond stand hoch und riesig am schwarzen Nachthimmel und beleuchtete den steinigen Weg vor ihr. Das lange Silbervlies zog sich weit an ihm vorbei und die weisen Ahnen aller Clan-Katzen funkelten sanft. Doch trotz der wunderschönen Sicht war sie zornig über den unnötigen Streit zwischen den beiden Clans. Obwohl Schneepfote Jungen erwartete, musste sie die Versammlung besuchen, und das nur wegen den sturen WasserClan-Katzen. Dabei sollte sie sich in der Kinderstube ausruhen und Rauchbach helfen, auf die vielen Kleinen aufzupassen! Aber nein, natürlich wird jetzt dann um sie gestritten. Genervt stöhnte sie auf und schloss dann eilig zu Nebelbach und Blütenschweif auf, die vor ihr gemütlich plauderten.
Platz „Ja, Wacholderpfote ist ein wirklich guter Schüler“, meinte Blütenschweif gerade und ihr gelb-hellbraun gestreifter Schwanz wippte im Rhythmus ihrer kleinen Schritte gleichmäßig hin und her. Ihre weißen Schnurrhaare zuckten überrascht, als sie Sandherz neben sich auftauchen sah. „Hallo, Sandherz“, begrüßte sie sie freundlich. „Wir haben gerade über unsere Schüler geredet.“
Platz Die sandfarbene Kätzin musste betrübt daran denken, dass sie noch immer keinen Schüler zugeteilt bekommen hatte. Würde sie jemals eine Mentorin werden, so wie Nachtschweif oder Honigwolke? Ich muss nur Geduld haben. Alles ist gut, bald werde ich bestimmt einen Schüler kriegen. „Schön“, stimmte sie also kurz angebunden zu. „Ich finde ja, ihr zwei seid großartige Mentorinnen. Brandpfote und Wacholderpfote werden sicher bald zu Kriegern ernannt.“ Hoffentlich versagt Brandpfote dieses Mal nicht bei seiner Prüfung. Doch das letzte Mal hatte er ja eigentlich nichts falsch gemacht, er hatte einfach niesen müssen, als er sich an seine begehrte Beute angepirscht hatte. Eigentlich ist er schon jetzt ein Krieger, er hat nur noch seinen Schülernamen.
Platz Nebelbach schnurrte erfreut. „Nun, die beiden sind ja auch von Geburt an wunderbare Katzen mit sehr viel Geschick und Talent“, warf sie bescheiden ein und ihr dunkelgraues Ohr zuckte verlegen. „Aber Sandherz, weißt du, es ist wirklich ungerecht von Echostern, dass du noch nie eine Mentorin warst. Vielleicht darfst du bald Schneepfote unterrichten oder eins von Rauchbachs Jungen. Oder wie wäre es mit Echosterns Jungen? Wir haben genügend Nachwuchs und ich bin mir sicher, dass ein Schüler oder eine Schülerin davon genau dir anvertraut wird!“ Aufgeregt wedelte sie mit dem seidigen Schwanz hin und her und ein zarter Luftstoß zauste Sandherz das weiche Fell.
Platz „Ja“, antwortete sie zuversichtlich und starrte an der steilen Wand empor, die den Großen Fels ausmachte. Hier und da ragten schmale Steinplateaus hervor, auf denen ihre Clan-Gefährten sicher ihre Pfoten aufsetzten und so den kalten, glatten Felsen erklommen. Der FeuerClan war der erste und musste immer gefühlt einen Blattwechsel warten, bis die anderen eintrafen und das lange Austauschen von Neuigkeiten endlich beginnen konnte. Sandherz sprang auf den ersten kleinen Absatz, der ziemlich stabil in der kühlen Luft hing, und hangelte sich geschickt immer weiter nach oben, wie sie es schon so viele Male getan hatte. Es machte ungeheuren Spaß und sie vergaß alles andere um sich herum, während der harte Boden sich weiter und weiter von ihr entfernte. Bald war sie ungefähr auf der Höhe einer Baumlänge angelangt und die vielen Plateaus hörten abrupt auf. Vor ihr stützte eine der vier breiten, kräftigen Säulen die dicke Felsschicht darüber, die die heilige Mondhöhle umgab: Die Säule des FeuerClans. Echostern, Finstermond, Lilienschweif, Funkenpelz, Hummelpelz und Löwenflug saßen bereits oben und Sandherz hockte sich erschöpft keuchend neben Hummelpelz, um ihren Clan-Gefährten amüsiert zuzusehen. Hinter ihr erreichten Blütenschweif und Nebelbach gerade die flache Kante und setzten sich ebenfalls kurz hin, um zu verschnaufen. Weiter unten hatten Ampferpfote, Schneepfote und Giftpfote deutliche Schwierigkeiten und die beiden jungen Kater wurden sachte von Taunase und Schimmerpfote hochgeschoben. Ampferpfote war noch immer schwer verletzt, aber der WasserClan hatte fuchsherzig darauf bestanden, ihn mitzubringen. Lichtpfote musste im Lager bleiben und wurde von Schwefelnacht versorgt, die sich mittlerweile sehr gut mit Kräutern auskannte. Es muss echt schade sein, seine erste Große Versammlung zu verpassen. Über ihnen konzentrierten sich Brandpfote und Honigwolke voll und ganz darauf, sich gegenseitig zu helfen, während Windpfote und Kristallpfote daneben rücksichtslos herumalberten. Was, wenn nun eine Katze stürzte? Sandherz schauderte. Dann zwang sie sich, den Blick abzuwenden und schaute stattdessen auf den riesigen Wald, der sich unter ihr erstreckte. Er war wunderschön und hatte einen zarten, grauen Ton, der von der Dunkelheit ganz blass geworden war. Ein erfrischender Windstoß brachte ihre Schnurrhaare sachte zum Zittern und sie genoss die frische Nachtluft. Der große Mond schien ihr zuzulachen, als ermutige er sie, bei Mondhoch für Ampferpfote und Schneepfote einzuspringen. Genau das werde ich auch tun!, nahm sie sich entschlossen vor und schloss glücklich die bernsteinfarbenen Augen.
Platz Die Zeit schien wie im Flug zu vergehen. Als sie die Augen langsam wieder öffnete, bemerkte sie, dass sie anderen drei Clans ebenfalls eingetroffen waren und wich peinlich berührt eine Fuchslänge zurück in die Richtung ihrer Säule. Wie lange waren die anderen schon hier? Sie wurde herumgeschubst und gereizt angeblafft, weil sie im Weg stand und weil einfach zu viele Katzen sich auf dem Großen Felsen eingefunden hatten.
Platz „Lasst die Versammlung beginnen!“, schallte Goldsterns brüchige Stimme laut über den ganzen Berg und mit einem Mal wurde es still. Alle Katzen setzten sich gehorsam hin und lauschten erwartungsvoll, als die alte Kätzin zu sprechen begann. „Die Beute läuft gut im LuftClan“, begann sie wie gewohnt. „Bienenpfote und Himmelspfote wurden zu Kriegern ernannt und heißen jetzt Bienenflügel und Himmelsschweif“, verkündete sie dann.
Platz „Bienenflügel! Himmelsschweif! Bienenflügel! Himmelsschweif!“, ertönten die begeisterten Rufe aller Katzen und Sandherz konnte sehen, wie die beiden Kätzinnen und Töchter von Goldstern stolz die weiche Brust herausstreckten. Nach einem kurzen Moment des Zögerns fiel sie ins laute Jubeln ein und beglückwünschte die beiden neuen Kriegerinnen. Es war jedes Mal wieder schön, ihre Namen hoch zum stillen, funkelnden Silbervlies zu rufen und den SternenClan die frisch ernannten Katzen segnen zu lassen.
Platz Sichelstern erhob sich ebenfalls und fuhr die langen, stark gebogenen Krallen behaglich aus. „Der ErdClan ist so wohlgenährt wie nie“, prahlte er und Sandherz fiel erst jetzt auf, wie dick und rund seine Clan-Gefährten aussahen. Offenbar hatten sie in ihren zahlreichen Kaninchenbauen so einiges gefunden. Fressen die eigentlich auch etwas anderes als Kaninchen?, wunderte sie sich nachdenklich. Vögel? Es gibt doch ziemlich große Vögel auf dem Moor, Falken und so. Können sie als Beute erlegt werden?, überlegte sie fieberhaft und kniff die mandelförmigen Augen angestrengt zusammen. „Leider ist Weidenblüte vor einem Viertelmond von uns gegangen“, fuhr der silberne Kater seufzend fort und in der Katzenmenge wurde mitleidiges Raunen laut. „Sie war eine wundervolle Kätzin und stets loyal und hilfsbereit. Wir alle werden sie vermissen.“ Sein trauriger Blick war auf seine Pfoten gerichtet. Sandherz konnte ihn verstehen. Auch er hatte vor Kurzem seine Mutter verloren und teilte deshalb ihre negativen Gefühle. Der arme.
Platz Als der ErdClan-Anführer sich schweigend verneigt hatte und sich zu seiner Säule zurückgetreten war, stand Habichtstern eilig auf und stolzierte nach vorne, sein Blick war starr auf Echostern gerichtet. „Ich finde, Echostern hat euch was zu sagen“, gab er mit einem spöttischen Unterton bekannt. Sein langer Schwanz fegte über dem kalten Gestein ungeduldig hin und her und seine scharfen Zähne waren stark zusammengepresst, als er sich eine bissige Bemerkung verkniff. Anscheinend war er sehr zornig und wollte Schneepfote und Ampferpfote unbedingt in seinem Clan haben.
Platz Aber warum nur? Sie haben sich uns freiwillig angeschlossen! Und wieso fällt es ihm ausgerechnet jetzt ein? Hätte er nicht schon früher daran denken können? Genervt sträubte sich Sandherz’ Nackenfell. Sie fand, dass der braun-schwarze Kater hier definitiv zu weit ging. Natürlich konnte sie es verstehen, dass er keine Clan-Gefährten einfach so einem Feind überlassen wollte, Schneepfote war jedoch laut seiner Patrouille mit nur wenigen Tagen von Zweibeinern entführt worden. Zusätzlich war sie höchstwahrscheinlich nur zur Hälfte eine Clan-Katze. Und Ampferpfote hat damit gar nichts zu tun. Er ist lediglich der Gefährte einer angeblichen Clan-Katze und ist damit eigentlich ein vollwertiges Hauskätzchen. Oder war eins, nachdem er bei uns zum Schüler ernannt wurde. Doch die seltsame Geschichte von Maisherz, Morgenzweig und Grausee konnte genauso gut auch einfach erfunden sein, oder etwa nicht? Grausee lügen zu sehen war zwar neu, aber es war trotzdem gut möglich.
Platz „Nun, ich werde vorerst den LuftClan und den ErdClan informieren, damit sie an dieser Diskussion teilnehmen können“, entschied Echostern bestimmt und ließ ihren durchdringenden Blick bedächtig über die versammelten Krieger, Schüler und Heiler schweifen, die sie mit großen Augen ansahen. „Wir haben vier neue Schüler im Clan, Ampferpfote, Schneepfote, Lichtpfote und Giftpfote. Nachtschweif ist die Mentorin von Ampferpfote, Lichtpfote wird von Kieselpelz ausgebildet und Giftpfote ist der Schüler von Brisenherz. Weil Schneepfote jetzt schon Junge erwartet, habe ich ihr keinen Mentor zugeteilt und sie lebt in der Kinderstube, bis ihre Kleinen das Alter von sechs Monden erreichen.“ Als die Katzen erst verwirrt anfangen wollten, die neuen Namen in den schwarzen Nachthimmel zu schreien, brachte sie sie alle mit einer kurzen, aber eindeutigen Schwanzgeste zum Schweigen. „Schneepfote ist angeblich die Tochter von Heidestrauch und gehört damit anscheinend in Wirklichkeit dem WasserClan an“, fuhr sie provokant fort, „wurde aber wohl von Zweibeinern entführt und als Hauskätzchen gehalten. Vor einem Sonnenhoch hat sie uns zusammen mit den anderen drei Schülern gebeten, sie aufzunehmen, was wir auch getan haben. Jetzt taucht der WasserClan urplötzlich auf und will sie zurückhaben.“
Platz Jetzt konnte keiner mehr verhindern, dass sich ein entsetztes Murmeln breit machte. Sandherz konnte Sätze aufschnappen wie „HalbClan-Katzen sind schlecht für uns“ oder „Der FeuerClan ist ein selbstsüchtiger Haufen Diebe!“ oder „Warum nehmen sie Hauskätzchen auf?“ Klar, das widersprach dem Gesetz der Krieger, aber die vier neuen Katzen waren kaum mehr als Junge gewesen. Und es verstößt ebenfalls gegen das Gesetz der Krieger, wenn man ein hilfloses Junges seinem Schicksal überlässt. Da verwandelte sich das aufgeregte Tuscheln endlich in ein freudiges Jaulen. „Schneepfote! Giftpfote! Ampferpfote! Lichtpfote!“
Platz Goldstern räusperte sich ärgerlich und erhob die Stimme über den Lärm. „Ich finde, der FeuerClan sollte sie behalten“, stellte sie wohlwollend klar. Deine Eltern waren ja auch keine Clan-Katzen, wollte Sandherz ihr belustigt ins Gedächtnis rufen. „Wenn Schneepfote schon unfreiwillig ein Hauskätzchen wurde, bevor sie selbst denken konnte, ist es ihre Entscheidung, welchem Clan sie sich anschließt.“ Die alte Anführerin des LuftClans fuhr die spitzen Krallen aus und bearbeitete damit unbehaglich den kalten Felsboden. „Außerdem wurde es ja schon erwähnt – der WasserClan hat keinen wirklichen Grund, sich erst jetzt zu melden, wo er doch sechs Monde lang geschwiegen hat. Klar“, fuhr sie hartnäckig fort, „ihr Vater ist ein WasserClan-Kater. Doch wer ist ihre Mutter? Vielleicht hat sie weniger WasserClan-Blut in sich, als ihr denkt. Sie könnte genauso gut eine HalbClan-Katze sein, die sich mit ihrer Zeit bei den Zweibeinern zur KeinClan-Katze hat entwickeln lassen.“ Wissend schaute sie jede Katze auf dem Großen Fels einzeln an, bevor sie weitersprach. Es war fast wie ein geübter Vortrag, es lag jedoch einzig und allein an ihrer Erfahrung als autoritative Anführerin. Sie hatte diese wichtige Position schon belegt, als Sandherz noch ein winziges Junges gewesen war. „Aber was wäre, wenn ihre Mutter aus dem FeuerClan stammte? Welcher Clan würde das Recht auf sie haben? Schneepfote hat sich für den FeuerClan entschieden, indem sie Nachtschweif gebeten hat, sie aufzunehmen. Würde sie sich mehr wie eine WasserClan-Kätzin fühlen, hätte sie mit Sicherheit den anderen Clan gewählt. Deshalb sollte der FeuerClan sie meiner Meinung nach behalten.“ Abschließend setzte sie sich wieder, in ihren tiefgoldenen Augen blitzte Genugtuung auf.
Platz „Über was sprechen die da?“, wisperte Schneepfote verängstigt und drängte sich vorsichtig an Sandherz’ Seite. „Ich bin doch keine WasserClan-Kätzin! Ich bin eine Schülerin im FeuerClan und ich lebe mit Rauchbach und ihren Jungen zusammen!“ Ihr buschiger, weißer Schwanz strich verwirrt und langsam über den kühlen, harten Boden. Die sandfarbene Kriegerin an ihrer Seite konnte sie verstehen. Die arme. Sie ist gerade erst dem Clan beigetreten und schon gibt es Ärger.
Platz Eine vertraute Stimme verschaffte sich wütend Gehör. „He, ihr wisst ja nicht einmal, ob ihre Mutter eine FeuerClan-Kätzin ist!“, brüllte Amselruf herausfordernd aus der Menge und bei Sandherz sträubte sich jedes einzelne Haar ihres langen Fells. Sie wollte ihm die scharfen Krallen in den Pelz schlagen, ihn triumphierend zu Boden drücken und ihn hilflos um Gnade flehen sehen. „Heidestrauch würde doch niemals eine Kätzin aus dem FeuerClan zur Gefährtin nehmen“, schnaubte er verächtlich und riss die wütende Kriegerin aus ihren unrealistischen Vorstellungen. „Ihr könnt nicht beweisen, dass sie FeuerClan-Blut in sich hat, aber ihr könnt beweisen, dass sie WasserClan-Blut in sich hat.“ Respektlos schnippte er mit dem weißen Schwanz. „Damit gehört sie meinem Clan an.“
Platz „Du hast hier gar nichts zu sagen“, blaffte Echostern ihn gereizt an. Sehr gut! „Dies ist ein Gespräch unter Anführern und vielleicht auch Zweiten Anführern und Heilern, aber ein gewöhnlicher Krieger sollte sich da heraushalten.“ Ihr silbergrauer Schwanz peitschte wütend hin und her und ein leises Knurren regte sich tief in ihrer Kehle. „Schneepfote gehört uns. Der WasserClan kann da leider nichts tun“, legte sie gespielt bedauernd fest. „Außerdem hat Goldstern vollkommen recht“, fügte sie dann dankbar hinzu, „ich meine, denkt einmal darüber nach, was sie euch erklärt hat. Wer kann ihr schon widersprechen? Sie ist älter und weiser als ihr alle und hat daher auch die meiste Erfahrung, wenn es um dieses Thema geht.“
Platz Jetzt stand auch noch Vogelkralle, der Stellvertreter des ErdClans, auf und sein Nackenfell stellte sich langsam auf. „Warum sollte sie eine FeuerClan-Kätzin sein, nur weil keiner weiß, wer ihre Mutter ist?“, warf er bemüht ruhig ein und seine schwarzen Ohren zuckten genervt. Na toll! Jetzt steht er auch noch für den WasserClan und wir können uns nicht einigen! Wieso konnte er nicht einfach dem FeuerClan zustimmen und die hitzige Diskussion damit beenden? Es konnte doch alles so einfach sein!
Platz Grausee nickte bestätigend. „Er hat recht“, räumte er schnell ein und seine grünen Augen leuchteten überzeugend in der Dunkelheit. „Echostern, sag bitte einer deiner Katzen, die Schülerin jetzt zu Adlerfeder zu bringen, dann passiert keinem was.“
Platz Sandherz schnappte entsetzt nach Luft und Schneepfote neben ihr begann verzweifelt zu wimmern. Das kann er nicht machen! Grausee kann doch nicht einfach bestimmen, was jetzt passiert! Beide Seiten haben gute Argumente, aber ich finde, der FeuerClan und der LuftClan sind am Gewinnen. Der große Kater hatte eigentlich kein Mitspracherecht auf dieser Großen Versammlung, denn sie war in Wirklichkeit nur da, damit die Anführer der VierElementeClans ihre wichtigsten Neuigkeiten in Frieden und ohne Feindseligkeit austauschen konnten. Manchmal durften auch die Zweiten Anführer und die Heilerkatzen erzählen, zum Beispiel, wenn es eine neue Prophezeiung gab, die alle Clans betraf. Kriegern und Schülern war die Erlaubnis, an den unregelmäßigen Unterhaltungen teilzunehmen, jedoch verwehrt und Grausee und Amselruf brachen gerade bereitwillig die unausgesprochenen Regeln. Wahrscheinlich bin ich eine schreckliche Sauberpfote, doch ich bin stolz darauf und habe keine Einwände gegen dieses Verhalten.
Platz „Da stimme ich ihm zu.“ Blattseele, seine Gefährtin, neigte respektvoll den Kopf. „Wenn ihr versucht, unsere Katzen zu stehlen, werden wir nicht davor zurückschrecken, sie mit Gewalt zurückzuholen.“ Trotz ihrer ehrfürchtigen Gesten war ihr Blick hart und duldete keine Widerrede. Schilfwedel, Mistelkralle und Eibenpelz jaulten laut ihren Beifall und marschierten alle zusammen auf die kleine, schneeweiße Schülerin zu, die sich panisch an Sandherz’ Flanke presste und quiekend um Hilfe bat. Lasst sie in Ruhe! Sandherz fauchte die WasserClan-Katzen verteidigend an und schlang den buschigen Schwanz schützend um Schneepfote.
Platz Jäh schoss ein braun getigerter Blitz an ihr vorbei und landete mitten auf Mistelkralle, welcher überrumpelt umfiel. Meerwirbel! Die hilfsbereite LuftClan-Kriegerin drängte Eibenpelz und Schilfwedel mit ihrem Rücken aus dem Weg und hielt Mistelkralle mutig davon ab, Schneepfote auch nur eine Mauslänge näher zu kommen. Hoffnungsvoll feuerte Sandherz sie an. Du schaffst das! Selbst wollte sie dennoch nicht eingreifen, weil das gegen das Gesetz der Krieger verstieß. Aber warum hilft ihr denn niemand? Verdutzt sah sie sich um. Alle Katzen, selbst die vier Anführer, saßen stumm da und beobachteten den unfairen Kampf, bis Meerwirbel auf einmal schlaff zusammensackte und hilflos nach Luft schnappte. Schilfwedel drückte sie mit einer kräftigen Pfote zu Boden und quetschte ihr grausam die Luft ab. Keuchend gab sie sich geschlagen und sprang fluchtartig davon, als Schilfwedel sie schließlich nachgiebig losließ. Mäusedung!, zischte Sandherz verärgert in sich hinein. Wer könnte Schneepfote jetzt noch beschützen? Ich kann doch nicht gegen drei gefährliche WasserClan-Katzen kämpfen!
Platz „Gut“, seufzte Echostern schließlich erbost. „Ihr könnt sie haben. Seht euch nur den Mond an.“ Der kalte Himmel war komplett schwarz und der riesige Mond war von düsteren Wolken verdeckt worden. In der Aufregung war es Sandherz gar nicht aufgefallen. Alle Katzen verstummten und zogen entgeistert die Luft ein. Der SternenClan ist wütend auf uns! Wir müssen aufhören, uns zu bekriegen und endlich eine Lösung finden! Aber wieso hat Echostern sie einfach so aufgegeben? Was wird nur aus Ampferpfote? Er find um seine Gefährtin trauern! Mitleidig suchte sie nach dem verletzten, grau-weißen Kater, dessen bernsteinfarbene Augen vor Schreck weit aufgerissen waren. Und erst jetzt realisierte sie schaudernd, was gerade passiert war: Sie hatten ihre Schülerin an den WasserClan verloren.

Dunkler Himmel (Sunny)