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GEHT ES DIR besser, Nachtschweif?", flüsterte Schimmerpfote sanft, während ihre Mentorin Taunase gerade ein Moosbündel im Teich tränkte, um es der schwarzen Kriegerin in den Mund zu träufeln. "Brauchst du noch etwas? ... Thymian?"

Doch Taunase schüttelte den Kopf. "Nein, Schimmerpfote. Thymian hilft gegen den Schock. Sie braucht eher Spinnweben. Das Tier in ihrer Seele hat sie wahrscheinlich angegriffen, sie hat nämlich schlimme Wunden." Rastlos schritt sie wieder zurück ins Kräuterlager, bevor sie wieder zurück stolzierte, Sorge lag in ihrem Blick.

"Was ist los?", erkundigte sich Regenkralle und teilte den Brombeervorhang vom Heilerbau. "Geht es Nachtschweif besser?"

Schimmerpfote verdrehte die Augen. Wieso sorgte er sich immer so um die Kriegerin? Er war ja schließlich nicht ihr Gefährte oder Vater! "Das wollen wir auch wissen. Ach - bevor du gehst: Du könntest uns anstatt Fragen zu stellen helfen, indem du dir einen Krieger schnappst und Spinnweben auftreibst. Wie wäre es mit Nebelbach? Sie hat nichts zu tun." Die hellgraue Kätzin saß alleine am Frischbeutehaufen und leckte sich die Pfoten. Es würde ihr bestimmt gut tun, einen Ausflug in den Wald zu machen und dabei noch einer Clan-Gefährtin zu helfen.

"Gute Idee!", schnurrte Taunase lobend.

Regenkralle sprang auf die Pfoten. "Bin schon weg!", rief er und machte sich auf den Weg zu Nebelbach. Er fragte sie etwas und sie setzte sich erfreut auf, bevor sie in den Schülerbau rannte und etwas später mit Brandpfote im Schlepptau auftauchte. Sie hat eine fünfte Pfote geholt! So können sie mehr Spinnweben tragen.

Jetzt tauchte auch noch Lilienschweif im Bau auf. Sie war die Mutter von Nachtschweif und immer übermäßig besorgt um ihre Jungen. Sie öffnete bereits das Maul, um etwas zu sagen, doch Taunase fiel ihr mit gesträubtem Schwanzfell ins Wort. "Raus", fauchte sie. "Geh einfach raus hier! Die beste Hilfe für sie ist In Ruhe Lassen, okay? Wenn lauter Mäusehirne hierher kommen, wacht sie vielleicht gar nicht mehr auf! Sie ist schwer verletzt!"

Erschrocken trat Lilienschweif einen Schritt zurück und verschwand dann ganz, ihre hellbraune Schwanzspitze verschwand schnell zwischen den Dornen der Brombeeren.

Zufrieden leckte sich Taunase die Schnauze. "Regenkralle und Nebelbach sollten auch bald zurück sein", miaute sie dann mit einem Seitenblick Richtung Wald.

Nachtschweifs Schwanzspitze zuckte plötzlich. Sie streifte die trockenen Blätter hinter ihrem Nest und lies sie sanft rascheln, während die schwarze Kätzin die Krallen aus- und einfuhr und die Ohren anlegte. Dieses Tier griff sie schon wieder an! Es verfolgte sie wohl die ganze Zeit und lies sie einfach nicht in Frieden, egal, was sie auch tat. Würde sie denn jemals wieder gesund werden?

"Hört auf, das nervt!", knurrte die schwarze Kriegerin, während Lilienschweif und Funkenpelz ihre Ohren dankbar leckten, nachdem sie aufgewacht war. Taunase hatte ihr mit einem Moosbüschel ein wenig Wasser in den Mund geträufelt, um sie zu beruhigen, als sie wieder angegriffen wurde.

"Na, ich glaube, es geht ihr wieder einigermaßen gut", vermutete die Heilerin schnurrend. Auch Schimmerpfote konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Nachtschweif war schon immer sehr temperamentvoll gewesen, selbst wenn sie schwer verletzt war. Doch so hart ihre Schale meistens war, so weich war ihr Kern. Im Inneren war sie eine freundliche, hilfsbereite Kätzin und dankbar für jede nette Tat, wenn es auch nur einmal Zunge Geben war.

Plötzlich leuchtete ein Bild vor Schimmerpfotes innerem Auge auf. Eine Katze mit brennendem Fell, rot-orange wie die Flammen, die darin loderten. Eine Flammenkatze ... Die Tochter der Flamme! Da huschte ein Schatten auf sie zu, und in dem Moment, in dem er die Kätzin berührte, verbrannte er. Die Flammenkatze fauchte auf wie ein Löwe, bevor sie größer und größer wurde und dann in den Himmel sprang, als Stützen reine Luft. Ehe Schimmerpfote genauer hinsehen konnte, war die Vision verblasst. Eine Stimme hallte jedoch noch in ihren Ohren. Findet die Tochter der Flamme, doch alleine wird sie es nicht schaffen. Die Katzen an ihrer Seite lassen die Flamme hoch züngeln. Doch wenn ihr euch nicht beeilt, werdet ihr alle einen grausamen Tod sterben ...

"Taunase?", miaute Schimmerpfote drängend.

"Ja?"

"Wir müssen reden. Kommst du mal eben mit ins Kräuterlager?", bat die Heilerschülerin, worauf Taunase ihr mit einem "Was ist los?" an den gewünschten Ort folgte.

"Ich hatte gerade eine Vision ... von der Tochter der Flamme." Taunase sah sie fragend an. "Eine Prophezeiung. Die Prophezeiung von Flamme und Stein. Finstere Zeiten stehen bevor. Ein Kampf wird unvermeidlich sein. Die Tochter der Flamme muss erblühen, um die Finsternis doch zu besiegen. Die Tochter der Flamme ist Sandherz, aber wie soll sie erblühen?", fügte Schimmerpfote hinzu.

Die Heilerin nickte langsam und nachdenklich. "Das ist eine schwierige Sache. Aber wieso Stein?"

Diese Frage hatte Schimmerpfote erwartet. Wieso Stein, ja? Das hatte sie auch gefragt, als sie die Prophezeiung vom SternenClan erhalten hatte. Die einzige Antwort war eine Erscheinung einer Katze mit Krallen aus Stein. "Weil die Bedrohung steinharte Krallen hat", erklärte sie also, ohne es zu verstehen. Das ergab alles keinen Sinn!

"Aha ..." Taunase gähnte verlegen. "Ich kenne diese Prophezeiung." Ihr Blick wurde hart. "Sie existiert schon seit meiner Geburt oder schon früher. Als Junges hatte ich eine Vision, in der ich zusammen mit Rubinschweif eine Flammenkatze sah. Wieso mit Rubinschweif, weiß ich bis heute nicht. Doch meine Mutter sprang auf die Flammenkatze zu und das Feuer ließ ihren Pelz versengen. Da entschloss ich mich, Heilerin zu werden."