FANDOM


ERSCHÖPFT KEUCHEND DRÜCKTE Nachtschweif ihre scharfen Krallen tief in die weiche Erde, um rutschend zum Stehen zu kommen. Direkt vor ihr plätscherte der ruhige Bach einsam vor sich hin und sofort kletterte sie geschickt zurück zu den glitschigen Trittsteinen, auf denen sie zuvor gesessen und nachgedacht hatte. Vorsichtig achtete sie darauf, nicht den Halt zu verlieren und ins kühle Wasser zu fallen, als sie sich hinsetzte und die grünen Augen einen Moment lang schloss. Sie genoss das sanfte Gurgeln in ihren Ohren und das aufgeregte Zwitschern der Vögel, die über ihrem Kopf hin und her flatterten. Dann atmete sie den verführerischen Duft von frischer Beute ein und wünschte, diese wunderschönen Herzschläge würden nie vorübergehen. Sie hatte es furchtbar satt, wie ihre Clan-Gefährten ihr andauernd überall hinterherliefen und ihr keine Ruhe ließen. Immerzu musste sie bereit sein, mit einer Jagdpatrouille in den schattigen Wald loszuziehen oder ihre langen Grenzen auf feindliche Gerüche zu kontrollieren.
Platz Auf einmal musste sie an Echosterns verwirrten Blick denken, als sie zornig vom Feuerstein gesprungen und schnell in den grünen Wald geflüchtet war. Bin ich vielleicht zu unfreundlich gewesen?, ging es ihr erschrocken durch den Kopf, aber sie schüttelte den unsicheren Gedanken schnell wieder ab. Nein. Ich habe doch genau gemerkt, dass sie sich heimlich über mich lustig machen. Wenigstens lacht mich Sandherz nicht aus. In ihr drehte sich jetzt alles um die sandfarbene Kriegerin, die mitten in ihrem verzweifelten Versuch, ihre unwissenden Clan-Gefährten vor der drohenden Gefahr zu warnen, nach der Heilerin Taunase fragend ins Lager geplatzt war. Als sie ihr für eine Weile aufmerksam zugehört hatte, war sie die einzige gewesen, die Nachtschweif nicht mit einem zweifelnden Blick in den Augen gemustert hatte, und sie war heilfroh darüber. Sie wusste, dass sie ihr für immer vertrauen konnte. Sie wird stets hinter mir stehen und mich unterstützen, und dafür liebe ich sie wie eine Wurfgefährtin. Die beiden Kätzinnen waren fast gleich alt und hatten sich damals in der Kinderstube sofort sehr gut verstanden. Sie und Schwalbenjunges hatten zu dritt immer Moosball gespielt oder sich gegenseitig gejagt, während sich Honigjunges, Brandjunges und Flockenjunges meistens mit anderen Dingen beschäftigt hatten. Nachtjunges’ Schülerzeremonie und die ihrer Wurfgefährten hatten zwar etwas früher stattgefunden, dennoch waren sie und Sandpfote seit ihrer eigenen Ernennung zur Schülerin zu noch besseren Freunden herangewachsen. Sie hatten den älteren Katzen fiese Streiche gespielt, während Schwalbenpfote ihnen stets besorgt gefolgt war und versucht hatte, Sandpfotes Raserei mit beruhigenden Worten zu zügeln. Leider war sie nicht mehr dabei gewesen, um Nachtpfotes und Sandpfotes gemeinsame Kriegerzeremonie zu erleben, weil sie zuvor vom blutrünstigen WasserClan-Kater Amselruf grausam umgebracht worden war.
Platz Erschüttert riss sie ihre Augen wieder auf, als ihre verletzten Glieder wieder stechend zu schmerzen begannen. Überall auf ihrem Körper waren blutige Kratzer verteilt, die ihr das seltsame Wesen in ihrer Seele zugefügt hatte. In ihrem rabenschwarzen, glatten Pelz fehlten einige dicke Büschel. Aber was am schlimmsten war, waren die schrecklichen Worte, die sie unscharf gehört hatte, als sie angegriffen worden war. Finstere Zeiten stehen bevor. Ein Kampf wird unvermeidlich sein. Da war noch etwas Längeres gewesen, doch es war zischend untergegangen, als der unsichtbare Feind sich jaulend auf Nachtschweif gestürzt und seine langen, spitzen Krallen ihre sonst so guten Ohren taub und ihre Augen blind vor Schmerz gemacht hatten. Ich sollte zurück nach Hause. Wahrscheinlich müssen meine Kratzer versorgt werden oder so. Skeptisch sah sie vor ihrem inneren Auge ein schwammiges Bild aufblitzen, auf dem Taunase ihr irgendwelche kalten Kräuter ins blutverkrustete Fell schmierte und sie tadelnd anblickte. Sie schnaubte gereizt. Nein, die kommen ohne mich besser zurecht. Was, wenn dieses seltsame Wesen zu meinen Clan-Gefährten überspringt wie eine ansteckende Krankheit? Ich bringe wirklich nur Unheil in den Clan!
Platz Ihre tobende Wut entzündete sich wieder und mit einem langen Satz war sie auf der anderen Seite des rauschenden Bachs gelandet. Etwa eine Baumlänge vor ihr waren die stark nach FeuerClan duftenden Grenzen ihres großen Territoriums und dahinter begann das mysteriöse KeinClan-Revier. Nachtschweif wusste schon lange, dass es ganz in der Nähe einen riesigen, lauten und stinkenden Zweibeinerort gab, wo sich auch gerne einmal so manches dicke Hauskätzchen herumtrieb. Diese dummen Katzen waren wirklich zu gar nichts fähig, sie waren jederzeit so rund und mollig wie eine hochschwangere Königin und konnten sich kaum und nur mit viel Mühe über die flachsten Steinmauern hieven. Nach einigen Herzschlägen fiel ihr jedoch ein, dass die mutige Kätzin Rauchbach früher auch bei einer kleinen Zweibeinerfamilie gelebt hatte. Ihre Eltern, Asternblüte und Steinbach, waren schon damals Gefährten gewesen und waren mit ihr dem Clan beigetreten, als sie noch ein winziges, fiependes Katzenjunges gewesen war, das auf den seltsamen Namen Mond gehört hatte. Sie war zu einer wundervollen, loyalen Clan-Katze herangewachsen und Nachtschweif war sich sicher, dass sie nie zu ihren überenergischen Hausleuten zurückkehren wollen würde.
Platz Plötzlich hörte sie eine dünne, ängstliche Stimme und der fremde Geruch von zwei Katzen drang in ihre feine Nase. Wer mochte das sein? Rasch schlich sie zu einem dichten Heidelbeerbusch und drückte sich zwischen den kleinen, dunkelgrünen Blättern flach auf die feuchte Erde. Was haben sie hier zu suchen? Ich kann weder den Geruch vom ErdClan noch den vom LuftClan oder den fischigen Gestank vom WasserClan erkennen. Sind sie Streuner? Wollen sie unser Territorium einnehmen? Als sie wachsam zwischen zwei blauen Beeren mit süßlichem Aroma hervorspähte, konnte sie eine zierliche, weiße Kätzin neben einem breitschultrigen, kräftigen Kater erkennen, die sich nervös duckte. Ihr helles, seidiges Fell war sehr lang und glänzte im späten Licht der bereits untergehenden Sonne und ihre mandelförmigen, weit aufgerissenen Augen hatten die leuchtende Farbe von Bernstein. Ihr Gefährte, so vermutete Nachtschweif, hatte ebenso langes Fell, das besonders dicht an seinem Bauch und seinem buschigen Schwanz wuchs. Es hatte einen bleichen Grau-Weiß-Ton und seine langen, weißen Schnurrhaare kräuselten sich an seiner schmalen Schnauze. Genau wie die seiner Freundin hatten seine sanften Augen ein sattes Bernsteinfarben. Zuversichtlich und liebevoll stieß er die Kätzin mit der pinken Nase nach vorne, aber sie weigerte sich mit einer schreckhaften Grimasse.
Platz „Tinkles, ich weiß genau, dass hier andere Katzen in sogenannten Clans leben“, wisperte sie wimmernd und starrte den stattlichen Kater flehend an. „Ich habe von ihnen gehört. Sie sind gefährlich und töten dich, wenn du über ihre Grenzen schreitest. Und das tun wir hier gerade.“ Ihre weinerliche Stimme zitterte beunruhigt.
Platz Tinkles hielt kurz inne und Mitleid blitzte in seinen runden Augen auf. „Keine Sorge“, brummte er beruhigend und Nachtschweif wunderte sich, wie man so eine tiefe Stimme haben konnte. „Ich werde mit einem Dutzend auf einmal fertig.“ Er schnurrte zuversichtlich und liebkoste die Weiße kurz, bevor er den Blick wieder auf irgendein Ziel richtete, das die spionierende Clan-Kätzin nicht kannte. „Selbst mit der Katze dort im Busch.“ Der Kater schwang den breiten Kopf langsam herum und fixierte Nachtschweif knurrend, als wolle er sie sogleich attackieren.
Platz Wie wusste er, dass ich da bin? Entsetzt wich sie zurück und drückte sich aus dem Heidelbeerstrauch heraus, die dünnen Zweige zerrten schmerzhaft an ihrem löchrigen Pelz und brachten die langen Kratzer wieder zum Bluten. Was hat er mit mir vor? Ihr Herz begann schockiert, schneller zu schlagen, es drohte in ihrer Brust zu zerspringen. Seinen scharfen Sinnen schien nichts zu entgehen, vermutlich war er ein Einzelläufer, obwohl er einen Hauskätzchennamen trug. „I... ich will euch nichts tun“, stotterte sie unsicher und starke Angst überfiel sie. Wie gefährlich konnte er ihr bloß werden?
Platz Tinkles’ angriffslustiger Gesichtsausdruck veränderte sich blitzschnell und verwandelte sich in freundliche Belustigung. „War ein Scherz“, erklärte er und seine gedrehten Schnurrhaare zuckten amüsiert, als er die Mundwinkel auf merkwürdige Weise hochzog. „Tut mir leid, dass ich dir Angst gemacht habe. Ich heiße Tinkles. Meine Gefährtin Amber erwartet Junge und wir sind auf der Suche nach einem geschützten Fleck im Wald, wo sie sie gebären kann. Das mit der Drohung war nicht ernst gemeint. Ich habe dich einfach gesehen, wie du unter diesen Busch gehuscht bist.“ Sein flaches Gesicht wurde ernst und sein Blick hart. „Würdet ihr uns vielleicht aufnehmen?“
Platz Nachtschweif musterte ihn beklommen. Was hatte er da gerade gesagt? Er war also doch ein verweichlichtes Hauskätzchen und kannte sich in der wilden Natur gar nicht wirklich aus? „Äh ...“, hob sie verlegen an, kam jedoch nicht weiter. Diese Katzen sind wirklich komisch. Ich habe keine Ahnung, was ich tun soll. Aber ich kann sie doch nicht einfach hier ihrem Schicksal überlassen, oder? Völlig durcheinander scharrte sie mit der linken Vorderpfote im weichen Gras. Ich muss zu Echostern. Sie wird schon wissen, was zu tun ist. Diesen vagen Plan setzte sie auch um, nachdem sie sich vorgestellt hatte.
Platz „Mein Name ist Nachtschweif.“ Respektvoll neigte sie den Kopf und hoffte, Tinkles und Amber würden ihre Nervosität nicht bemerken. „Folgt mir. Ich werde meine Anführerin fragen. Sie ist weise und wird euch ehrlich sagen, was sie denkt“, fuhr sie fort und bemühte sich, ihrer Stimme einen selbstsicheren Ton zu verleihen. Ich hoffe, dass ich das Richtige tue. Flüchtig wollte sie sich umdrehen und flink in die Richtung ihres Lagers lospreschen, als ihr Amber schüchtern hinterherrief.
Platz „Aber Nachtschweif, warte!“, bat sie kläglich und die schwarze Kriegerin wirbelte abermals herum. Langsam nervte sie der zaghafte Ton von der kleinen Kätzin mit dem seidigen, schneeweißen Fell. Sie sollte selbstbewusster werden. „Also ... können unsere Freunde auch mitkommen?“
Platz Wie auf Kommando traten zwei weitere pummelige Katzen hinter einem Paar dicker Bäume hervor. Die eine war eine stämmige Kätzin mit kurzem, graubraun-golden getigertem Pelz und einer schwarzen Schwanzspitze. Der andere war ein großer schwarzer Kater mit riesigen, durchdringenden Augen, die bei beiden Katzen die grüne Farbe von Gift annahmen. Sie nickten Nachtschweif grüßend zu und legten ihre Schwänze ordentlich um ihre patschigen, zarten Pfötchen, die sich an das bequeme Leben eines Hauskätzchens gewöhnt hatten. Und die sollten einmal tapfere Krieger werden?
Platz „Das hier sind Melody und Shadow“, verkündete Amber etwas ermutigt und deutete mit dem flauschigen Schwanz nacheinander auf die beiden. „Ihre Hausleute wohnen direkt neben unseren. Wir sind schon lange befreundet und sie sind ebenfalls Gefährten.“ Für einen Herzschlag huschte ihr Blick steif zu dem grau-weißen Kater, der ihr freudig zustimmte.
Platz Wie bitte? Sie wollen, dass der FeuerClan vier Hauskätzchen aufnimmt, die nicht einmal jagen und kämpfen können? Nachtschweif war komplett entgeistert. Amber und Tinkles sind nicht älter als zehn Monde, glaube ich. Und doch werden sie schon Eltern. Wie kann denn eine Schülerin in die Kinderstube ziehen, bevor sie überhaupt ihren vollen Kriegernamen erhalten hat? Außerdem scheinen Melody und Shadow auch nicht gerade die ältesten Katzen im Wald zu sein. Sie trat unentschlossen von einer schmerzenden Pfote auf die andere, während alle vier Katzen sie erwartungsvoll anblickten. Sie konnte ihnen die Sicherheit eines Clans nicht einfach eiskalt verweigern, ohne Echostern entscheiden zu lassen. Dennoch wollte sie sie nicht in ihr Lager führen, denn vielleicht hatten sie einen geheimen Angriff aus dem Hinterhalt geplant und benutzten ihre außergewöhnliche Dummheit nur als schicke Tarnung. Wenn sie sich mit gefährlichen Streunern verbündet haben? Sie schluckte und ihr Fell begann, unangenehm zu kribbeln. Dann inspizierte sie die Fremden ein letztes Mal ganz genau und stellte die zuvor herabhängenden Ohren forsch auf. Ich werde ihnen vorerst vertrauen. Sie werden mir schon nichts antun, geschweige denn einem ganzen Clan voller mutiger und starker Katzen wie Sandherz. Stolz stellte sie sich Sandherz’ gut ausgeprägten Beschützerinstinkt vor, der sie vor allen lauernden Gefahren verteidigen würde, selbst vor dem grausamen Wesen, das tief in ihrer Seele schlummerte.
Platz „Nun ...“, begann sie zögernd und ihre Schwanzspitze zuckte unruhig hin und her. „Ich werde euch alle zu meiner Clan-Anführerin bringen. Wenn ihr euch nicht benehmt“, warnte sie und durchbohrte jede einzelne Katze mit einem strengen Blick, „verjagen wir euch.“ Das hat gesessen! Ihre gewöhnliche Vernunft wallte schließlich wieder in ihr hoch und sie gewann ihre Fassung schnell zurück. Endlich konnte sie wieder klar denken! Die äußerst fürchterliche Verwirrung um die vier plötzlich auftauchenden Hauskätzchen hatte sie so aus der Bahn geworfen, dass sie nicht mehr wirklich gewusst hatte, was sie hätte tun sollen. Wie auch? Es ist nicht alltäglich, dass ein paar fremde, fette Katzen frech in dein Territorium eindringen und dich heulend bitten, aufgenommen zu werden, während du traurig bist und in Ruhe nachdenken willst.
Platz Amber begann wieder, vor panischer Angst zu wimmern, folgte aber gehorsam der schwarzen Kätzin, die bereits zwei Schwanzlängen vorausgesetzt war, ihre Pfoten griffen auf dem mit feuchtem Moos und trockenem, bunten Laub bedeckten Waldboden weit aus. Auf einmal blieb sie jedoch abrupt stehen und quäkte laut herum. Einige nach Nahrung suchenden Vögel flatterten schockiert auf und verschwanden in den hohen Baumwipfeln in ihren geschützten Nestern.
Platz „Nachtschweif“, keuchte sie erschöpft, „wie lang ist der Weg noch? Meine Pfoten tun so weh!“ Sie röchelte gequält und ihre kleinen Ohren hingen müde herab, während ihre gerundeten Flanken wild bebten.
Platz Nachtschweif fuhr wütend herum, ihr weiches Schwanzfell sträubte sich erbost. Sie waren erst einige Baumlängen gewandert, es konnte doch nicht sein, dass die verweichlichte Kätzin so schnell aufgab! Auch Tinkles, Shadow und Melody glotzten sie ärgerlich an, weil ihre Ausdauer der einer neugeborenen Maus glich. „Hör auf zu jammern, sonst kommen wir nie an“, presste die schwarze Kriegerin mit zusammengedrückten Zähnen hervor, legte ihre Ohren an und hielt sich mit aller Kraft zurück, nicht auf Amber loszugehen. Sie war ohnehin schon sehr aufgebracht gewesen, als ihr Clan sich über sie lustig gemacht hatte, und diese Kätzin war nun wirklich schlimmer als Gewitterjunges, als er mit einem Mond alles im Lager andauernd zerstört hatte, während er sich amüsiert hatte.
Platz Zum Glück hielt die nervöse Königin den Mund und schlich verstört weiter, als Nachtschweif ihren langen Weg staksig fortsetzte. Einige Male schaute sie sich ängstlich im erfrischenden Wald um und ihr flauschiges Rückenfell war durchgehend gesträubt, aber sie hielt tapfer durch – selbst wenn das auch ein Junges schaffen würde.
Platz Ein vertrauter Duft zog über Nachtschweifs Zunge, als sie ihren ‚anstrengenden‘ Marsch durch ihr Territorium beendet hatte und an dem alten Dornengestrüpp ankam, das ihr Lager schon seit vielen Blattwechseln schützte. Ihre miese Stimmung hellte sich schnell auf, als sie das aufgeregte Stimmengewirr ihrer Clan-Gefährten erkannte und sie musste fröhlich schmunzeln, als sie hörte, wie sich Federherz krächzend über Windpfote beschwerte.
Platz „Ich hab da eine richtig fette Zecke hinterm Ohr!“, brüllte sie säuerlich. „Bleib hier und tupf mir etwas Mäusegalle darauf! Wenn du dich aus dem Staub machst, sage ich alles Honigwolke!“ Ihr Ton verriet, dass sie sich mühevoll aufgerichtet hatte und nun dem kleinen Schüler hinterherschnauzte, während er belustigt quiekend vor ihr flüchtete.
Platz Bin ich froh, dass ich nicht so wie Tinkles und die anderen leben muss, schwärmte Nachtschweif tonlos und stellte sich das langweilige Leben mit gebieterischen Zweibeinern vor. Sie wusste, dass Hauskätzchen merkwürdige, braune Kügelchen fressen mussten, die wie verrottete Kaninchenköttel aussahen und widerlich stanken. Angeekelt rümpfte sie die Nase. Zusätzlich hatten sie keinen richtigen Schmutzplatz, sondern mussten sich waghalsig in kleine, mit Sand gefüllte Kästen begeben, die fürchterlich nach Zweibeinern rochen. Außerdem konnte sie sich überhaupt nicht vorstellen, sich von den riesigen Wesen auch nur anfassen zu lassen, während sie schreiend durch ihr Zuhause polterten und einen unbeschreiblichen Lärm von sich gaben, der die empfindlichen Ohren einer gefährlichen Wildkatze wie sie stark beschädigen konnten.
Platz Auf einmal kam ein gelb gestreiftes, blitzschnelles Knäuel Pelz durch den breiten Eingang geschossen und raste direkt in sie hinein. Die hohe Geschwindigkeit und der Schwung des kleinen Katers rammte sie mit voller Wucht und überrascht miauend kullerten sie beide über den staubigen Boden. „Warum riechst du so komisch?“, wollte Himmelpfote neugierig wissen und seine kleine, pinke Nase zuckte wild, als er verzückt schnupperte. Was hatte er hier zu suchen? Er spähte aufmerksam an ihr vorbei. Seine bernsteinfarbenen Augen weiteten sich erstaunt, als er die fetten Hauskätzchen hinter ihr entdeckte.
Platz Energisch schnippte er mit der weißen Schwanzspitze und wie auf Kommando erschienen Windpfote und Wacholderpfote, seine Wurfbrüder, Kristallpfote und der ruhige Bernsteinpfote hinter ihm und glotzten die fremden Katzen aufgedreht an. Ihr Nackenfell war vor Verblüffung gesträubt und sie sprangen wie kleine Jungen auf und ab, während langsam mehr und mehr Katzen verwirrt aus dem Lager schlüpften.
Platz Nachtschweif baute sich streng vor all denjenigen auf, die verdutzt vor ihr standen: Distelmond, Grasnase, Himbeerfell, Blütenschweif, Nebelbach, Löwenflug und die fünf Schüler, die einen Überschuss an Energie erlitten. Eindringlich versuchte sie, sie zurück auf die Lichtung zu scheuchen und warf dabei den verärgert aussehenden Hauskätzchen einen entschuldigenden Blick zu. Sonst können sich FeuerClan-Krieger und Schüler doch auch besser benehmen. Sie müssen nicht so tun, als kannten sie keine anderen Katzen. Sie seufzte entrüstet. Das alles war so peinlich! Warum mussten ihre Clan-Gefährten sie nur so blamieren? Das ist nicht fair!
Platz Nach einem anstrengenden und nervenaufreibendem Gefecht hatte sie es endlich geschafft, alle Mitwirkenden zurück an ihren vorgesehenen Platz zu bringen und sie keuchte erschöpft. Sie war sich sicher, dass irgendetwas vorgefallen war, dass der SternenClan ihnen während ihrer wütenden Abwesenheit eine riesige Menge an Energie geschenkt hatte. Wenn selbst die Krieger übertreiben! Schüler sind ... nun ja, es ist nicht so schlimm, wenn sie sich so aufführen. Aber ausgewachsene und vollständig ausgebildete Katzen sollten sich meiner Meinung nach nicht so verhalten. Wir sind ja nicht der KindischClan! Sie schnaubte gereizt und ihre weißen Schnurrhaare erzitterten, als sie heftig die Luft ausstieß.
Platz „Da bist du ja wieder!“, erklang eine helle Stimme und sie hob hoffnungsvoll den Kopf. Echostern sprang ihr freundlich schnurrend entgegen, Finstermond folgte ihr auf den Pfoten. Die Ausdrücke beider Katzen waren zufrieden, aber auch mitfühlend. Ich will kein Mitleid! Ärger blitzte einen Herzschlag lang in ihr auf, sie schluckte ihn aber schnell wieder hinunter. „Ich bin froh, dass es dir besser geht.“ Die Anführerin setzte sich und sah sie besorgt an. „Wirklich, keiner hat sich über dich lustig gemacht“, versicherte sie ihr und ihre grünblauen Augen wirkten schüchtern. „Wir vermuten, dass es sich um ein Zeichen des SternenClans handelt. Du bist nun mal etwas Besonderes und hast deshalb sonderbare Träume.“
Platz Träume? Wenn das Träume sind, dann lernen Igel fliegen! Nachtschweifs grüne Augen verengten sich gekränkt zu Schlitzen und ihre Schwanzspitze zuckte leicht hin und her. Finstermond beobachtete sie genau, anscheinend wollte er ihre Reaktion exakt untersuchen. Ich werde das Gefühl nicht los, dass sie mich veräppeln wollen. Ehrlich, ich weiß nicht, was sie plötzlich alle gegen mich haben. Mit einer unangenehmen Grimasse schob sie den unnötigen Gedanken beiseite und ihr fielen die Gründe ein, warum sie mit genau dieser Kätzin sprechen wollte.
Platz „Können wir kurz in deinen Bau gehen? Ich habe etwas Wichtiges zu sagen“, verkündete sie geheimnisvoll und senkte die Stimme, damit niemand anderes mithören konnte. Sie wollte nicht schon wieder vor dem ganzen Clan reden und dabei fast vor Scham im harten Erdboden – oder Steinboden – versinken.
Platz Die hellgraue Kätzin nickte leicht perplex, machte dann aber auf den Pfoten kehrt und tappte zum riesigen Feuerstein, der hoch vor ihr aufragte. Finstermond beschloss kurz darauf, ihnen ebenfalls zu folgen, und gemeinsam zogen sich die drei Katzen an der glatten Felswand hinauf. Nachtschweifs spitze Krallen schmerzten, als sie ihr Ziel endlich erreicht hatten. Wie können sie das nur mit so viel Leichtigkeit machen? Als sie sich verwirrt umsah, erblickte sie eine riesige, runde Höhle, durch die stets ein erfrischender, kühler Luftzug zog. Die Ränder waren mit duftenden Farnwedeln und trockenem Moos bedeckt und ziemlich weit hinten waren zwei flache Kuhlen im Gestein, die ebenfalls mit grünen Blättern und Moos gefüllt waren. Das mussten die Nester der beiden Bewohner des großen Baus sein. Am der rechten Wand war ein niedriges Felsplateau, das rücklings in einen tiefen, dunklen Tunnel führte. Was sich wohl darin befand? Daneben sammelte sich eine tiefe Pfütze, das klare Wasser tropfte von einer langen Spitze in der Decke der Höhle sein. Wie schön sie es hier haben! Das ist ja wie ein eigenes Lager! Ich wünschte, ich könnte auch so leben.
Platz Echostern und ihr Gefährte Finstermond setzten sich abermals erwartungsvoll hin und bedeuteten Nachtschweif anhand einer kurzen Schwanzgeste, es ihnen gleichzutun. „Wie ich sehe, hast du vier Hauskätzchen in unser Lager gebracht“, meinte Finstermond ernst, sein Gesicht verriet nicht, was er dachte.
Platz Die schwarze Kriegerin trat nervös von einer Pfote auf die andere. Waren sie wütend auf sie? Hatte sie falsch gehandelt? Sie werden mich für dumm halten und denken, dass das etwas mit diesem komischen Wesen zu tun hat, das mich immer angreift! Doch dann schüttelte sie sich entschlossen. Nein. Ich muss zu meinen Taten stehen. „Ja, das habe ich“, stimmte sie starrköpfig zu. „Ich habe sie am Rand unseres Territoriums getroffen, als sie gerade über die Grenze gelaufen waren. Eine von ihnen, Amber, erwartet Junge, aber sie alle sind nicht älter als Schüler.“ Das meiste habe ich geschafft! Als sie keine Antwort bekam, fuhr sie zögernd fort. „Äh ... sie haben mich gebeten, sie mit zum Clan zu nehmen. Tinkles, ihr Gefährte, will, dass sie ihre Jungen in Sicherheit und draußen im Freien zur Welt bringt. Sie wollen nicht mehr bei ihren Hausleuten leben und würden sich gerne dem FeuerClan anschließen“, schloss sie schnell ab. Es war ihr nicht gerade angenehm, sich vor den beiden wichtigsten Katzen des Clans zu behaupten, wenn es um zu verachtende Katzen außerhalb der VierElementeClans ging.
Platz Echostern und Finstermond schwiegen bedächtig. Sie schwiegen und schwiegen, und Nachtschweif befürchtete bestürzt, sie wären auf geheimnisvolle Art und Weise eingefroren. Beide sahen nachdenklich aus, aber sie wusste nicht, ob das ein positives oder ein negatives Zeichen war. Sie schauderte jäh, als Echostern kurz Luft holte, um schließlich zu antworten. „Führe sie zu mir“, war alles, was sie ruhig befahl. Sie wirkte nicht wütend, aber auch nicht besonders glücklich über Nachtschweifs vorschnelles Handeln. Was ging wohl in ihrem Kopf vor sich?
Platz Sie konnte sich nicht rühren. Verdutzt starrte sie Finstermond an, als der stämmige Kater gehorsam den großen Bau der Anführerin verließ und in riesigen Sätzen vom Feuerstein sprang. Einige Herzschläge später tauchte er schon wieder auf, während er, ächzend vor Anstrengung, die verzweifelt wimmernde Amber die steile Felswand hochschleppte. War sie zu dumm, selbst heraufzuklettern? Nachtschweif stöhnte genervt auf. Der Zweite Anführer sammelte mit viel Mühe auch die restlichen drei Katzen auf und setzte sie dann in der kühlen Höhle ab, in der sie sich befanden. Er spuckte eine riesige Menge Haare aus, die meisten waren weiß und grau. Es waren auch ein paar schwarze dabei, aber vom graubraunen Fell von Melody war fast nichts zu sehen.
Platz Echostern erhob sich langsam auf die Pfoten und musterte die Fremden eindringlich. „Ihr wollt dem FeuerClan beitreten?“, erkundigte sie sich freundlich und blinzelte einladend.
Platz Amber nickte schüchtern und Melody bestätigte: „Ja, das wollen wir. Ich finde, Amber sollte ihre Jungen hier großziehen können, bevor sie irgendwelche Pflichten übernehmen muss.“ Die beiden anderen Kater rissen empört die Augen auf, anscheinend hatte Melody zu viel gefordert. Das kann ich verstehen, murrte Nachtschweif tonlos. Hätte ich sie wirklich mitnehmen müssen? Mittlerweile bereute sie ihre Entscheidung.
Platz Echostern schnurrte erfreut. Hatte sie den Verstand verloren? So kannte man sie gar nicht. „Wie ich sehe, kennt ihr euch überhaupt nicht mit dem aus, was eine Clan-Katze so macht, richtig?“ Sie ließ ihnen keine Zeit für eine Antwort, als sie bereits weitersprach. „Amber, du kannst vorerst in die Kinderstube ziehen. Es ist zwar noch ein bisschen früh, aber eine Königin, Rauchbach, könnte Hilfe mit den Jungen sehr gut gebrauchen.“ Für einen Herzschlag huschte ihr Blick liebevoll zu ihrem Gefährten, denn die beiden waren die stolzen Eltern von Birnenjunges, Gewitterjunges, Mausjunges und Schlangenjunges. Die Armen. Sie können ihre eigenen Kinder nicht großziehen, weil sie wichtige Aufgaben im Clan haben, seufzte Nachtschweif innerlich. „Ihr anderen“ – Echostern deutete mit dem dünnen Schwanz auf Tinkles, Shadow und Melody – „werdet dem Clan als Schüler beitreten. Ich werde euch Mentoren zuteilen, die euch den Wald zeigen und euch beibringen, wie man jagt und kämpft.“
Platz „Das ist eine hervorragende Entscheidung“, stimmte Finstermond schnurrend zu und schmiegte sich zärtlich an die Anführerin. Dann verengten sich seine grünen Augen zu schmalen Schlitzen und sein Blick wurde hart. „Aber denkt nicht, dass wir euch nicht beobachten. Wenn ihr es wagt, uns zu verraten und Feinde ins Lager zu führen, werden wir nicht davor zurückschrecken, euch mit Krallen und Zähnen zu verjagen.“
Platz Nachtschweif warf sich stolz in die Brust. Genau das hatte sie sie zuvor auch gewarnt! Sie war froh, dass der Zweite Anführer ihrer Meinung war und dass sie keinen Fehler begangen hatte. Man kann ja nie wissen. Es kommen schließlich nicht jeden Tag vier Fremde angetappt und verlangen von einem, aufgenommen zu werden. Sie fand, dass Echostern sehr gütig gegenüber neuen Katzen im Clan war. Andere Clans hätten sie bestimmt kühl vertrieben oder wie Gefangene behandelt, bis sie ihre Treue bewiesen hatten. Außer Goldstern. Die tut ja keiner Fliege was zuleide, rief sie sich belustigt in Erinnerung und dachte an die alte, goldgelbe Kätzin, die derzeit den LuftClan anführte. Ihre Mutter Blattsonne war früher eine Einzelläuferin gewesen, deshalb war Goldstern stets freundlich gegenüber KeinClan-Katzen. Zu freundlich, war Nachtschweifs ehrliche Meinung. Sie kann ihren Clan ja gleich zu einer Auffangstation für Streuner und andere Katzen außerhalb der Clans machen. Goldstern übertreibt wirklich, und dennoch ist sie schon sehr lange Anführerin.
Platz In Gedanken versunken hatte sie nicht bemerkt, wie Echostern selbstbewusst an die Spitze des großen Felsens getreten war und wie Finstermond energisch sie und die vier Hauskätzchen zurück auf den Boden scheuchte. Aufgeschreckt hangelte sie sich an der glatten Wand nach unten und setzte sich an ein abgelegenes Fleckchen im Lager, weit entfernt von ihren Clan-Gefährten. Sie wollte noch immer nicht mit ihnen reden. Sollen sie mir doch hinterherlaufen! Ist mir auch egal! Ihre neuen Hauskätzchenfreunde drängten sich hinter sie und glotzten bewundernd zur Anführerin des FeuerClans hinauf. „Alle Katzen, die alt genug sind, Beute zu machen, fordere ich auf, sich hier unter dem Feuerstein zu einem Clan-Treffen zu versammeln!“, brüllte sie laut über die Lichtung und aus allen Bauen kamen mehr und mehr Katzen getrottet.
Platz Tinkles schob sich neben Nachtschweif nach vorne. „Was macht ihr da?“, wollte er neugierig wissen, seine bernsteinfarbenen Augen funkelten interessiert. Sein buschiger Schwanz peitschte aufgeregt hin und her und fegte trockene Blätter über den weichen Boden.
Platz Sie bemühte sich, ein mysteriöses Gesicht aufzusetzen, scheiterte aber vergeblich und ihre weißen Schnurrhaare zuckten amüsiert. Sie begann bereits, den pummeligen Kater zu mögen, ob sie es wollte oder nicht. „Du wirst sehen“, meinte sie deshalb belustigt und wandte sich dem Feuerstein zu, um den sich der ganze Clan versammelt hatte. Im Moment waren keine Patrouillen unterwegs und im späten Licht der untergehenden Sonne sah das Lager überfüllt aus.
Platz Echostern ließ den Blick eindringlich über alle Katzen schweifen. „Katzen des FeuerClans! Es gibt vier neue Katzen, die sich dem FeuerClan anschließen möchten“, hob sie an und forderte Tinkles, Amber, Shadow und Melody mit einer kurz angebundenen Schwanzgeste auf, vorzutreten. Die vier Katzen hoppelten aufregt hin und her und ihre Augen leuchteten wie die Sterne in der dunklen Nacht. „Sie waren bis zu diesem Moment Hauskätzchen, aber von nun an werden sie Schüler im FeuerClan sein und hart arbeiten, um sich ihre Kriegernamen zu verdienen.“ Sie blickte Shadow erwartungsvoll an. „Wie heißt du?“
Platz Er stellte sein weiches Nackenfell nervös auf und erhob dann ruhelos die Stimme. „Shadow“, stieß er freudig hervor und zwang sich wohl, seine Pfoten still zu halten. „Meine Freunde sind Amber, Tinkles und Melody“, erklärte er mutig und zeigte der Reihe nach auf die anderen Hauskätzchen, denen es genau wie ihm erging.
Platz „Nun gut. Shadow, es ist an der Zeit, um mit deiner Ausbildung anzufangen. Von diesem Tag an, bis dieser Schüler sich seinen Kriegernamen verdient hat, wird er Giftpfote heißen. Ich bitte den SternenClan, über diesen Schüler zu wachen, bis er in seinen Pfoten die Kraft und den Mut eines wahren Kriegers hält.“ Sie sah sich suchend unter den Clan-Katzen um, bis ihr warmer Blick bei Brisenherz hängen blieb. „Brisenherz, du bist nun bereit einen Schüler auszubilden. Du wurdest hervorragend von Saphirblatt unterrichtet und du hast gezeigt, dass du schlau und tapfer bist. Du wirst die Mentorin von Giftpfote sein und ich bin mir sicher, dass du all dein Wissen an ihn weitergeben wirst.“
Platz Brisenherz blickte überrascht auf und erhob sich erfreut, bevor sie glücklich zu ihrem neuen Schüler tappte. Giftpfote hingegen stand ratlos da und wusste anscheinend nicht so recht, was er tun sollte. Als die kleine, weiße Kätzin ihm etwas flüchtig zuflüsterte, sprang er dankbar auf und drückte seine Nase energisch an ihre, bevor sie sich nebeneinander niederließen und leise miteinander redeten. Nachtschweif konnte sich gut vorstellen, um was es ging, schließlich kannte sie den ganzen Prozess von ihrer eigenen Schülerzeremonie zusammen mit Brandpfote, Flockenschweif und Honigwolke. Schade, dass Brandpfote seinen Kriegernamen noch nicht bekommen hat. Ich finde es einfach unfair, nur weil er bei seiner Kriegerprüfung nicht so gut abgeschnitten hat. Der zierliche, feuerrote Kater hatte bei seiner finalen Prüfung einen furchtbaren Schnupfen gehabt und hatte deshalb leider andauernd niesen müssen, wenn er sich an mögliche Beute angepirscht hatte. Deshalb hatte er sie nicht bestanden und seine Kriegerzeremonie wurde um einige Monde verschoben. Sie schob die herannahende Welle von Ärger beiseite und konzentrierte sich auf den Rest der Schülerzeremonie. Melody stand vorne und ihre Augen leuchteten ebenfalls.
Platz „... du wirst der Mentor von Lichtpfote sein und ich bin überzeugt, dass du ihr alles beibringen wirst, was du weißt“, verkündete Echostern gerade und ihre laute Stimme schallte über die Lichtung, als sie Kieselpelz stolz ansah, wie er zögernd quer über die Lichtung trabte und seine neue Schülerin Lichtpfote freundlich begrüßte.
Platz „Und für dich“, fuhr sie grinsend an Tinkles gewandt fort, „habe ich mir jemand Besonderen aufgehoben. Tinkles, es ist nun endlich an der Zeit, mit deiner Ausbildung zu beginnen. Von diesem Tag an, bis dieser Schüler sich seinen Kriegernamen verdient hat, wird er Ampferpfote heißen. Ich bete zum SternenClan, über diesen Schüler zu wachen, bis er in seinen Pfoten den Mut und die Stärke eines Kriegers findet. Nachtschweif, du bist nun bereit einen Schüler auszubilden. Grasnase hat dich zu einer wunderbaren Kriegerin gemacht und du hast bewiesen, dass du mutig und stark bist. Du wirst die Mentorin von Ampferpfote sein und ich bin mir sicher, dass du all dein Wissen an ihn weitergeben wirst.“
Platz Ich? Verblüfft taumelte sie eine Schwanzlänge zurück, fing sich dann jedoch wieder und trabte mit vor Stolz gerade in die Luft gestrecktem Schwanz zu ihrem neuen Schüler, der aufgeregt seine schmale Schnauze an ihre drückte. Ihr Herz drohte vor Freude zu zerspringen, als sich ihre langen Schnurrhaare berührten. Ich kann nicht glauben, dass sie mir diesen jungen Kater anvertraut hat! Habe ich das denn verdient? Nebeneinander sprangen sie zurück in die Reihen ihrer Clan-Gefährten.
Platz „Ich bin so froh, dass du meine ... Mentorin bist, Nachtschweif!“, erklärte Ampferpfote schnurrend und schloss für einen Moment die bernsteinfarbenen Augen. „Ich weiß zwar nicht genau, was das bedeutet, aber es scheint etwas Gutes zu sein! Und ... wer ist Ampferpfote?“ Verwirrt kratzte er sich hinter dem von dickem Fell umgebenen Ohr und legte den breiten Kopf neugierig schief.
Platz Nachtschweifs Nase zuckte amüsiert und sie zog ihre Mundwinkel auf die gleiche merkwürdige Weise hoch, wie ihr neuer Schüler es zuvor getan hatte, um ihn zu imitieren. „Das bist du“, erklärte sie belustigt. „Warte nur ab. Es ist schon spät und du solltest dir nachher ein Nest im Schülerbau machen, und morgen kann ich dir alles erzählen.“
Platz Ein letztes Mal räusperte die Anführerin sich, um sich nach all der Neuigkeiten wieder Gehör zu verschaffen. „Amber, du hast das benötigte Alter erreicht, um mit deiner Ausbildung zu beginnen. Von diesem Herzschlag an, bis diese Schülerin sich ihren Kriegernamen verdient hat, wird sie Schneepfote heißen. Ich bitte den SternenClan, über diese Schülerin zu wachen, bis sie in ihren Pfoten den Mut und die Stärke eines Kriegers findet.“ Auf einmal huschte ein Schatten über ihr Gesicht, sie schien nachdenklich zu werden. Sie holte einmal tief Luft, bevor sie wieder zu sprechen begann. „Schneepfote, du wirst vorerst keinen Mentor erhalten, weil du direkt in die Kinderstube ziehen wirst, um dort deine ungeborenen Jungen zur Welt zu bringen und großzuziehen.“
Platz Entsetztes Raunen machte sich breit, doch Nachtschweif blieb vollkommen ruhig. Sie hatte das alles erwartet. Trotzdem, wenn sie gerade erst eine Schülerin geworden ist, sollte sie da direkt zur Königin wechseln? Ihre Bedenken wurden von einigen Katzen laut herausgeschrien, sie ignorierte sie dennoch und konzentrierte sich wieder auf Ampferpfote, der seine junge Gefährtin besorgt und verwirrt beobachtete, aber – dem SternenClan sei Dank – still blieb.
Platz Das entgeisterte Murmeln wich allmählich feierlichen Rufen, als die FeuerClan-Katzen die vier Schüler im Chor in den rötlich-orangefarbenen Himmel zwitscherten, und Nachtschweif stimmte ihnen jubelnd ein. „Giftpfote! Lichtpfote! Ampferpfote! Schneepfote!“, hallte es noch lange über die warme Lichtung, als Echostern vielsagend den Kopf neigte und langsam wieder in ihrem Bau trottete. Die Anzahl der Katzen, die zu sehen waren, fiel immer weiter, bis nur noch wenige draußen saßen.
Platz „Kommt mit“, wies die schwarze Kriegerin Ampferpfote, Giftpfote und Lichtpfote freundlich an und tappte mit ihnen im Schlepptau zum Schülerbau, in dem sich die anderen Schüler bereits gemütlich zusammengerollt hatten und leise miteinander über die vielen Ereignisse des Tages tuschelten, während Schneepfote von Rauchbach mitfühlend in die Kinderstube gelotst wurde. Bernsteinpfote erhob sich ächzend auf die Pfoten und führte die drei Neuen behutsam zu einigen leeren Nestern, in denen noch immer ein wenig weiches Moos lag und Nachtschweif schnurrte verzückt. „Morgen werde ich dir den Wald zeigen“, hauchte sie mit einem Seitenblick auf ihren Schüler. „Mach dich bereit auf ein abenteuerreiches Leben als Krieger.“

Dunkler Himmel (Sunny)