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Dunkler Himmel (Sunny)
FINSTERE ZEITEN STEHEN bevor. Ein Kampf wird unvermeidlich sein. Die Tochter der Flamme muss erblühen, um die Finsternis doch zu besiegen." Die Worte hallten laut in der dunklen Höhle nach. Kaltes Gestein trennte sie von der Außenwelt ab. Kein bisschen auch nur schwaches Licht erleuchtete den unebenen Boden und alles war schwarz. Kein einziges Geräusch war zu hören.

Nicht einmal das laute Pfeifen des tobenden Sturmes außerhalb der Höhle.

Ein leises Plätschern brach die ewige Stille und eine Katze nach der anderen betrat die Höhle. Sie schwammen durch einen kleinen Teich, der einzige Eingang in die Höhle, durch den man tauchen musste.

Alle Katzen setzten sich in einem Kreis um den Teich und nach und nach wurden es immer mehr, bis die ganze Höhle voll war. Eine von ihnen, eine sehr kleine Kätzin, berührte mit einer Pfote langsam das kalte Wasser und tief aus seinem Inneren leuchtete ein gefallener Stern auf. Er erhellte die gesamte Höhle, die auf einmal winzig wirkte, mit seinem blassen weißen Licht. Die Kätzin zog ihre weiße Pfote zurück und leckte sie für einen Moment trocken.

An den Pelzen der Katzen funkelte Sternenstaub und ihre Augen glühten. Ein hellbraun getigerter Kater, der etwas weiter hinten in der Menge der Katzen saß, erhob die Stimme.

"Was soll das bedeuten, Plätscherstern? Wer ist die Tochter der Flamme?", fragte er mit leiser Stimme. Es war schwer, ihn zu verstehen, und das zischende Flüstern seines Echos machte es noch schwieriger.

Ein weißer Kater mit schwarzen Ohren, der direkt am Wasser hockte und dessen Pfoten schon nass waren, blinzelte und nachdem er die Augen wieder öffnete, wirkten sie, als ob sie zwei leuchtend gelbe Sterne wären. Er berührte ebenfalls mit der Pfote das Wasser und in ihm erschien ein blasses Bild einer goldgelben Kätzin, die eng an eine schwarze Kätzin geschmiegt zusammengerollt in ihrem Moosnest lag. "Ist es die?", murmelte der Kater.

Plätscherstern legte die kleinen Ohren an und schüttelte den Kopf. »Es tut mir leid, Schneefall. Ich weiß es nicht. Aber sie ist eine Kätzin, das ist natürlich klar.«

"Wie hilfreich", grummelte eine alte, grau-weiße Kätzin. Ihr buschiger Schwanz zuckte hin und her. "Hättest du dir auch sparen können. Das ist genauso hilfreich wie ein Stück Krähenfraß."

"Sei leise!", fauchte ein kleiner Kater, der nicht größer als ein Schüler war. Er war ein Ebenbild der alten Kätzin.

Eine tiefdunkelrote Kätzin schloss sich ihm an. "Genau, Hagelpfote hat vollkommen recht. Deine Kommentare interessieren hier niemanden, Federfell." Sie sträubte ihr Fell und starrte dann weiter ins Wasser, wo das Bild der Kätzin weiterhin zu sehen war. Mittlerweile verblasste es immer mehr, bis nur noch das weiße Licht des Sterns zu sehen war.

Aus den dunkelgrauen Schatten trat eine weitere, graue Kätzin mit schwarzen Tupfen. "Ich bin mir sicher, dass es meine Schwester ist. Außerdem war unsere Mutter eine starke und mutige Katze." Sie warf einen Blick zu Plätscherstern. Ihre schönen, grünen Augen leuchteten bei der Erinnerung an ihre Mutter, die nun auch bei ihnen in den Jagdgründen des SternenClans wandelte. Die orangefarbene Kätzin sah freundlich zwinkernd zurück.

"Vielen Dank, Schwalbenpfote." Die dunkelrote Kätzin lächelte und leckte Schwalbenpfote, die direkt neben ihr saß, zwischen den Ohren. Ihre gleichmäßigen Zungenstriche waren in der gesamten Höhle zu hören und hallten leise nach.

Plätscherstern ließ ihren klugen Blick über die vielen SternenClan-Katzen gleiten. Leider waren auch einige Schüler und auch Junge dabei – darunter entdeckte sie auch ein Junges von ihr. Blitzjunges stolperte zu ihr und sie leckte ihn sanft ab und schob ihn in ihr warmes Bauchfell. Dabei ist er erst einen halben Mond alt …

"Ein Kampf wird unvermeidlich sein. Wisst ihr das? Oder interessiert euch nur, wer die Tochter der Flamme ist, obwohl ihr das sowieso bald herausfindet?", ertönte plötzlich eine tiefe und raue Stimme. Als die Katzen den Kopf drehten, um zu sehen, wer das gewesen war, entdeckten sie einen dunkelbraunen Kater mit zerfetzten Ohren und zottigem Fell. Überall an seinem Körper waren Narben und sein eines Auge war verklebt von Blut.

Lange herrschte Stille. Doch dann brach ein schwarz-weißer Kater das Schweigen und knurrte leise und bedrohlich: "Wer bist du und was willst du hier?" Sein kurzes Fell war gesträubt und seine Zähne gefletscht. Genau wie auch alle anderen starrte er den Kater mit zu Schlitzen verengten Augen an.

"Und wie lange hast du mitgehört?!", fügte eine kleine Kätzin mit stechend gelben Augen fauchend hinzu. Sie machte einen Buckel, als der fremde Kater gelassen in ihre Augen sah. Er sah aus, als ob alles ihm egal wäre, auch wenn die SternenClan-Katzen in der Überzahl waren. Aber als Plätscherstern wieder hinsah, war der dunkelbraune Kater auf irgendeine Weise verschwunden. Ihre Gedanken rasten. Wenn dieser seltsame Kater die gesamte Diskussion mitgehört hatte, konnte das nichts Gutes bedeuten.

Alle Katzen schwiegen erneut. Niemand traute sich, als erstes wieder etwas zu sagen. Der Stern im Teich flackerte und für einen Moment war es wieder finster. Schockiertes Zischen brach unter den Katzen aus. So etwas war noch nie passiert.

"Lichtfeder … was bedeutet das?", miaute eine Katze verunsichert. Ihre Stimme zitterte und sie hatte sich tief geduckt, das konnte Plätscherstern auch ohne das Licht des Sternes am Ton der Stimme erkennen.

Lichtfeder, ein sonnenfarbener Kater, klang hingegen zuversichtlich. Seine hohe Stimme verriet meistens, ob er gerade gut oder schlecht gelaunt war. Er wandte sich jedoch an die älteste SternenClan-Katze. Plätscherstern wurde von jeder Katze respektiert, da sie wirklich die erste Katze nach der Gründung der Clans war, die starb und somit auch am längsten im SternenClan gewesen war. "Ja, was bedeutet das, Plätscherstern?", murmelte er.

Lange wusste Plätscherstern nicht, wie sie antworten sollte. Aber sie hatte sowieso nicht viel Zeit, denn sofort fingen alle Katzen an, ängstlich zu miauen. Darunter konnte Plätscherstern einige Wörter aufschnappen, wie "… der fremde Kater …", "… Tochter der Flamme …" oder "… Finsternis …". Langsam hatte ihre Geduld ein Ende. "Ruhe!", brüllte sie, und ruckartig waren alle SternenClan-Krieger ruhig.

"Wir müssen uns einen Plan überlegen", schlug eine Kätzin vor, und in dem Moment, in dem sie "Plan" sagte, leuchtete der Stern wieder auf. Das lange, cremefarbene Fell der Kätzin war gesträubt und sie hatte die Ohren angelegt.

"Aber welchen?", fragte ein blaugrauer Kater. "Wie sollen wir diese 'Finsternis' aufhalten? Sie wird kommen, darauf wette ich. Und was ist mit der Tochter der Flamme?" Er starrte in den leuchtenden Teich, um gleich darauf mit der Pfote das Wasser zu berühren. Es erschien ein weiteres Bild, auf dem ein Felsen weit entfernt von den Clan-Territorien zu sehen war. Eine schwarze Nebelschwade kroch immer weiter über ihn hinüber, und bald war er komplett schwarz. Die Maus, die unter ihm gelebt hatte, sprang hervor und tötete gleich darauf ein Kaninchen, das von der Seite, an der es noch nicht dunkel war, vorbei hoppelte. Die Katzen sogen entsetzt die Luft ein. "Die Finsternis wird kommen", wiederholte er.

Schneefall legte die schwarzen Ohren an. "Je länger wir jetzt noch warten, desto schneller kommt dieser Nebel voran. Also stimme ich Sonnenblatt zu. Wir brauchen einen Plan!" Er schüttelte wieder einmal die weiße Pfote, und schimmernde Tropfen flogen auf Plätscherstern zu. "Vorschläge?" Schnell und kurz lugte er zu Sonnenblatt.

Knurrend meldete sich Federfell: "Dem Nebel sagen, er soll sich ein anderes Gebiet suchen?"

Doch da ertönte wieder diese geheimnisvolle Stimme, die ganz am Anfang die Prophezeiung übermittelt hatte. "Findet die Tochter der Flamme, doch alleine wird sie es nicht schaffen. Die Katzen an ihrer Seite lassen die Flamme hoch züngeln. Doch wenn ihr euch nicht beeilt, werdet ihr alle einen grausamen Tod sterben."